Read + Listen: Ja Ja Ja #1

In Berlin by Martin

Wir haben eine Aufgabe für euch: Greift zum Rotstift, schlagt euren Terminkalender auf und markiert euch jeden zweiten Donnerstag im Monat ganz dick mit den Worten Ja Ja Ja! Denn ab dem 09.10.2014 findet in Berlin – genauer gesagt im FluxBau – regelmäßig die aus London bekannte Veranstaltungsreihe Ja Ja Ja statt, bei der einem musikaffinen Publikum noch weitestgehend unentdeckte Talente aus den nordischen Ländern vorgestellt werden. Auf der Opening Night gibt es so zum Beispiel Naomi Pilgrim, Blaue Blume und Alfred Hall hinter den Mikrofonen zu bestaunen.

Ja Ja Ja ist Onlinemagazin und Partykonzept zugleich. Mit Unterstützung des renommierten Blogs Nothing But Hope And Passion, dem Radiosender FluxFM und unseren Freunden von Nordic By Nature wagt Ja Ja Ja jetzt den Sprung von der britischen Insel in die flirrende deutsche Hauptstadt, die schon ganz begierig auf neue akustische Impulse wartet. Da auch wir bei Kultmucke ein großes Herz für Newcomer haben, möchten wir die Gelegenheit nutzen und euch von nun an vor jeder Ja Ja Ja Party die dort auftretenden Acts ein wenig näherbringen. Dazu findet ihr in den “Listen: Ja Ja Ja”-Artikeln stets kurze Impulsinterviews und eine Playlist mit Songs der entsprechenden Künstler, die diese selbst ausgewählt haben.

Here we go…

Naomi Pilgrim

Naomi PilgrimNaomi Pilgrim ist wohl das, was man langläufig als Multikulti-Paket bezeichnen darf. In ihren Werken vereint die Schwedin, die schon als Backgroundsängerin von Lykke Li tätig war, Einflüsse aus allen Himmelsrichtungen und bündelt sie in einem elektrifizierten Popgemisch.

Was bedeutet Musik für dich?

“Musik ist mein wichtigster Lehrer. Sie macht mich traurig, sie macht mich glücklich, sie spendet mir Licht – das ist sehr vordergründig, da es in Schweden sechs Monate im Jahr dunkel ist. Zudem schenkt sie mir gute Laune, sogar an schlechten Tagen.”

Welche Songs hast du für unsere Playlist ausgesucht?

“Ich beginne mit ‘No Gun’, weil das auch mein ganz persönlicher Start war. ‘Rainmakers (Saturday, Monday Remix)’ ist bisher einer meiner Lieblingsremixe. Checkt unbedingt Saturday, Mondays Solosachen aus, er ist unglaublich! ‘Money’ mag ich auch sehr, weil es die unabhängige Frau feiert. Wenn ich den Song live performe, fühle ich mich Spitze, da Beat und Lyrics mich anfeuern. Auch wenn das Stück ein Cover ist, schwinge ich mit ihm, als hätte ich es selbst geschrieben.”

Was macht eine Party zu einer guten Party?

“Ein DJ, der auf den Punkt ist und Menschen, die tanzen als würde ihnen niemand dabei zusehen.”

Welche Musiker hatten den größten Einfluss auf dich?

“Die Liste wäre wohl ewig lang, aber Sade, Lauryn Hill und Massive Attack gehören auf jeden Fall dazu.”

Was verbindest du selbst mit deinem Auftritt bei Ja Ja Ja?

“Da einige meiner liebsten Menschen in Berlin leben, werde ich auf jeden Fall versuchen, mich mit diesen zu treffen. Irgendwas wird sich da schon finden lassen.”

Blaue Blume

Blaue BlumeVerwurzelt im Sound der 80er und 90er konnten Blaue Blume die Blogosphäre nahezu im Sturm erobern. Heute zählt das Quartett, das aus vier langhaarigen Dänen besteht, zu den großen skandinavischen Nachwuchshoffnungen.

Weshalb habt ihr euch für Blaue Blume als Bandnamen entschieden?

“Er klang einfach wunderbar schön und hässlich zugleich.”

Mit welchem Song lässt es sich am besten in euer Gesamtwerk einsteigen?

“Wahrscheinlich ‘Birthday’. Da ist dieses verspielte Arrangement mit viel Tiefe und die Lyrics sind auf charmante Art und Weise tragisch ironisch.”

Was mögt ihr an eurem Heimatland Dänemark?

“Wir haben unsere Familien, Freunde und unsere geliebten Menschen hier. Es ist unser Zuhause. Und doch gleichzeitig auch nur ein Ort, an dem man eben sein kann.”

Gibt es eurer Meinung nach typische Charakteristika innerhalb der nordischen Musik?

“Vielen nordische Musiker müssen diese Frage heutzutage beantworten. Wir denken nicht, dass es überhaupt einen bestimmten nordischen Sound braucht, denn ohne diesen ist die Bandbreite wesentlich größer. Natürlich gibt es eine sehr eigentümliche Punk-Szene hier, nur sind wir nicht Teil dieser. Nordische Künstler haben oft den Mut, in unterschiedliche Richtungen zu gehen, und sind nahezu besessen von dem Gedanken, etwas Neues entwickeln zu wollen. Vermutlich ist das die Gemeinsamkeit an uns allen.”

Wurdet ihr jemals mit den Wild Beasts verglichen? Was denkt ihr über diese Aussage?

“Ja wurden wir. Und wir sehen auch Ähnlichkeiten, wobei wir gestehen müssen, dass wir die Wild Beasts gar nicht kannten, bevor englische Blogs uns mit diesen verglichen – ob ihr es glaubt oder nicht. Nun mögen wir sie sehr gerne, vor allem ihre neuste Platte. Wir streben nach dramatischen Songs und opernhaften Texte, und die Wild Beasts vermutlich genauso.”

Alfred Hall

Alfred HallBjørn Tveit und Hans Thomas Kiær haben Mistgabel und Gummistiefel gegen E-Gitarre und Lederschuhe eingetauscht. Nachdem sie den Sommer 2009 auf dem Hof von Thomas Eltern verbrachten, um dort zu arbeiten, fanden die beiden Norweger im Indiepop ihre wahre Bestimmung.

Wie darf man es sich als Außenstehender vorstellen, Teil der heutigen Musikszene zu sein?

Thomas: “Ich kann nur für uns sprechen, aber ich denke, es ist eine sehr raue Szene und es gestaltet sich schwierig, Teil davon zu sein und vor allem auch zu bleiben. Aufgrund all der tollen Songs, die täglich entstehen, kann es leicht passieren, dass man im Getümmel untergeht. Du musst immer kreativ und innovativ sein.”

Wer sind eure bevorzugten nordischen Künstler?

Thomas: “Meiner auf jeden Fall Jón Þór Birgisson von Sigur Ròs und jónsi. So ein talentierter Typ, mit einer derart außergewöhnlichen Stimme. Bjørns All Time Favorite ist José Gonzales. Das erste Mal hörte er seine Sachen im Alter von zwölf Jahren und fand diese unglaublich inspirierend.”

Wie würdet ihr euren eigenen Sound beschreiben?

Thomas: “Diese Frage zu beantworten finde ich immer schwer. Wir könnten unsere Musik einfach als verträumten Pop bezeichnen und würden damit alles abgedeckt haben. Aber am besten hört ihr wohl mal selbst und gebt uns dann eine Rückmeldung”

Was macht ihr in einer kalten norwegischen Nacht?

Thomas: “Normalerweise drehen wir die Heizung bis auf 40 Grad auf, sodass es wirklich heiß und schwitzig wird. Dann ziehen wir luftige Kleidung an, setzten einen Sonnenhut auf, trinken Pina Coladas und versuchen uns zu suggerieren, dass wir in Mexiko oder auf den Bahamas seien. Manchmal machen wir sogar Musik.”

Welcher ist der beste Track von Alfred Hall und weshalb?

Thomas: “Schwer. Wir haben beide unterschiedliche Favoriten. Möglicherweise ist aber ‘Foreign Coast’ unser bester Song. Bjørn favorisiert ‘Wild At Heart’. Ihm gefällt die Melodie, die eingängig ist, ohne zu langweilen, und die Vocalharmonien, die jenen Eindruck unterstützen.”

Playlist*: Ja Ja Ja #1

*da es bisher noch keine Songs von Alfred Hall bei Spotify Deutschland gibt, schließen wir mit zwei Videos des dänischen Duos