Listen-Up: Alice Phoebe Lou

In Berlin, Musik von Joseph

Jedes Jahr zieht es hunderte von ambitionierten und talentierten Musikern auf die Straßen von Berlin. Viele erhoffen sich von Auftritten im Mauerpark, oder an der Warschauer Straße den großen Durchbruch, doch nur wenigen gelingt es. Heute stellen wir eine Musikerin vor, die erreicht hat, von dem andere nur träumen können und dabei trotzdem den Boden unter den Füßen behalten hat – Alice Phoebe Lou.

Berlins berühmteste Straßenmusikerin

Die zierliche Blondine stammt aus Südafrika und ist nach der Schule während eines „Gap Years“ durch Europa gereist. Schon mit 18 Jahren finanzierte sie sich mit Songs von John Lennon und Jimmie Hendrix, die sie auf den Straßen von Paris und Amsterdam spielte. Doch letztendlich hat sie ihr Herz an Berlin verloren: „Berlin hat eine besondere Balance. Einerseits funktionieren die Dinge, die Bahn fährt, es ist einigermaßen sicher. Gleichzeitig ist nicht alles so überreguliert wie in Australien oder den USA. Man hat hier mehr Chancen, seinen Weg zu finden ohne diese imaginären Strukturen, die einem weismachen wollen, wo man mit 25 zu sein hat. In Berlin wirst du nicht schräg angeguckt, wenn dein Lebensinhalt mit 40 darin besteht, Collagen an die Zimmerdecke zu kleben. Hier heißt es eher: Toll! Zeig mal!“

Mit Gesang und Gitarre für die Freiheit

Ihre Songs handeln von Selbstverwirklichung und persönlicher Entfaltung, daher schlägt die hippieske Musikern auch regelmäßig Deals mit großen Plattenfirmen aus. Ihre Bühne ist die Straße und genau das macht ihre Musik so authentisch. Zwar spielt die Wahl-Neuköllnerin mittlerweile auch auf großen Bühnen und Festivals, aber die Straßenmusik liegt ihr weiterhin am Herzen. Den stereotypen Pfad von Entdeckung zum Major-Deal, gefolgt von großen Auftritten und regelmäßigen Studienalben hat sie bewusst ausgeschlagen, denn: „Mit einem Label könnte ich mein Album wohl nicht einfach aus dem Koffer heraus auf der Straße verkaufen„. Auch nach ihren Auftritten nimmt sie sich bewusst Zeit mit ihren Fans zu sprechen – die Geduld, die sie dafür aufbringt jeden Einzelnen wichtig zu nehmen zeigt, dass sie es ernst meint. Fremden Menschen auf Augenhöhe begegnen, das erlebe man eben nur mit Straßenmusik, so die Songwriterin.

Die Schattenseiten des Erfolgs

Doch der Erfolg bringt nicht nur Positives. Viele Freunde warnten Lou vor Auftritten an der Warschauer Straße. Am eigenen Leib hat sie hier erfahren, dass es auch mal ruppiger zugeht, auf den Straßen von Berlin. So wurde des Öfteren versucht ihr Geld zu stehlen, oder ihr das Mikrofon aus der Hand zu reißen. Auch ein Stalker hatte sie über einen längeren Zeitraum belästigt. Doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen. Verglichen zu Südafrika gehe es hier noch sehr gesittet zu. Außerdem überwiegen die positiven Seiten des Daseins als Straßenmusiker deutlich. Und wenn es ihr hier nicht mehr gefällt – was wir natürlich nicht hoffen – kann sie ja immer noch ihren Koffer packen und weiterziehen. Einer der großen Vorteile als Freigeist!

Wir freuen uns auf jeden Fall auf die nächste Session mit der sympathischen, freiheitsliebenden Blondine. Vielleicht ja schon bald im Mauerpark?

Foto: Alice live auf dem Teufelsberg – © Joseph: kultmucke.de