Kultverdächtig: marstal:lidell

In Musik by Martin

Genre:

Wenn man auf drei Jahre Kultverdächtig zurückblickt, gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass die Liebe zur Musik keine Genre-, Geschlechter- oder Ländergrenzen kennt. Bunter als jede Tüte Gummibärchen ist die Liste an Künstlern, die bisher in unserer Herzensrubrik gefeatured wurden, und nun ist es an der Zeit, das abwechslungsreiche Gesamtbild um eine weitere Facette zu erweitern: Das Copenhagener Duo marstal:lidell.

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marstal lidell by Jonas Raaby (2)Was bedeutet Musik für euch?

Nun, irgendwie alles. Wir sind beide eng mit der Musik verbunden und denken oft schon in den Morgenstunden an sie. Musik hat unerklärliche Kräfte, die in der Lage sind, die Gedanken und Konzepte vieler Menschen zu beeinflussen und zu verändern.

marstal:lidell – zwei Individuen vereinen ihre Intuitionen, Sichtweisen und Fähigkeiten. Gleichberechtigt und in perfekter Harmonie. Henrik Marstal und Anna Lidell spüren bereits während ihrer ersten Zusammenarbeit, als Henrik Annas Electroband Akiri produziert, dass dies erst der Anfang einer langen, gemeinsamen Reise sein würde. Der Anfang einer Reise, deren Weg das Ziel ist, und die sich nicht besser als mit den eigenen Nachnamen beschreiben lässt: marstal:lidell eben.

Anna: „Wir hatten viele Werte gemeinsam und wollten alle Aspekte des Musikmachens miteinander teilen. Das Songwriting, die Produktion, die Arrangements aber auch die Ideen hinter den Lyrics, die sich auf Politik, Philosophie und das Leben als solches stützen.“

Trotz der Tatsache, dass sowohl Anna als auch Henrik bereits mit vielen anderen Projekten recht gut ausgelastet sind, entsteht 2012 ihr Duo marstal:lidell. Anna, die Produzentin, Musikcoach, Labelchefin der Plattenfirma Machinedrops und Teil des Duos Teenage Love ist, und Henrik, Professor am Konservatorium, Redakteur, Feminist und Mann hinter starchild #2, finden nach einigen wichtigen Erkenntnissen schließlich ihren Platz in der von Mainstreampop regierten Musiklandschaft ihrer Heimat – jedoch nicht im Fokus des Massengeschmacks. Vielmehr bilden sie mit ihren zarten, intelligent gestrickten Kompositionen einen Gegenpol zu all der Überfülle an Kurzweiligkeiten.

Henrik: „Es gibt sehr, sehr viele kommerzielle Acts. Dänemark ist von allen nordischen Ländern am ehesten eine popaffine Nation. Trotzdem sind da auch zig kleine, seltsame aber eben oft auch gute Gruppen, die keinesfalls ihre Seele verkaufen würden, um im Mainstreamradio gespielt zu werden. Wir unterstützen einander und manchmal haben einige von uns das Glück, es über die Landesgrenzen hinaus zu schaffen.“

Do it together statt do it alone. marstal:lidell betiteln ihr im November 2014 erschienenes Debütalbum treffend mit der Abkürzung „d.i.t.“. Dreizehn zwar kohärente, insgesamt jedoch sehr unterschiedliche Tracks bauen dabei die Brücken zwischen Annas und Henriks Klangwelten. Vom instrumentalen Intro „In Order To Keep Things Moving“ über das vielschichtige „Memory Is A Dream Machine“ bis hin zu dem wehmütigen „In The Mirror“ loten marstal:lidell die Grenzen des Dream Pops neu aus.

Ist Dream Pop ein Label, mit dem ihr euch identifizieren könnt?

Anna: „Wir haben einen ziemlich charakteristischen Sound entwickelt, der uns erlaubt, das zu tun, was wir wollen. Am Ende klingt es eh immer nach uns. Dream Pop ist die einzige Genrebezeichnung, die unsere Musik aus unserer Sicht beschreiben könnte. Wir sind beide große Fans des Shoegaze und von Bands wie The Cure, den Cocteau Twins oder der schwedisch-iranischen Sängerin Laleh. Laurie Anderson, die einen sehr speziellen Dream Pop macht, beeindruckt uns ebenfalls. Uns gefällt aber auch der Fakt, dass wir selbst Gitarre und Bass mit vielen elektronischen Elementen verbinden.“

Elektronische Musik hat sich in etliche verschiedene Richtungen entwickelt, wodurch sie zur perfekten Quelle für neue Ideen und Experimente wird.

Worin lag die Herausforderung, als ihr „d.i.t.“ gemacht habt? Gab es Momente, in denen ihr das Ganze am liebsten hingeschmissen hättet?

Henrik: „Am schwierigsten war es, das Album fertig zu kriegen. Wir hatten so viel Material. Manchmal dachten wir, es ginge in die eine, dann wieder in eine völlig andere Richtung.“

Im Resultat präsentiert „d.i.t.“ ein breit gefächertes akustisches Verständnis, das beatvernarrte, sphärische aber auch verspielte Tendenzen in sich vereint. Entsprungen sind die Blaupausen für Tracks wie „Machinedrops“ oder „Violin Of Disgrace“ – den heimlichen Favoriten Annas und Henriks, weil die Kollaboration bei diesem Stück besonders magisch war – während zahlreicher Jamsessions, deren Output im Zuge eines dreiwöchigen Aufenthalts in New York verfeinert wurde.

Anna: „Wir wurden stark von Dingen inspiriert, die die Menschen auf den Straßen Brooklyns sagten.“

Wonach habt ihr entschieden, welche Songs zu Singles werden?

Henrik: „Diese Entscheidung fiel uns schon immer schwer. Of sind wir uns gar nicht sicher, ob wir überhaupt die richtigen ausgesucht haben.“

Singles sind uns ein Mysterium.

marstal lidell by Jonas Raaby (3)In ihrer Arbeit streben marstal:lidell das Erzeugen verschiedenartiger Atmosphären an, scheuen sich nicht vor Fehlern und lehnen strenge Regeln sowie eine allzu feinmaschige Kontrolle gänzlich ab. Um bei der Aufgabe, für Kultverdächtig einen exklusiven Coversong einzuspielen, nicht an zu viele Vorerfahrungen gebunden zu sein, entscheidet sich das altersungleiche Duo, The Cures „Sinking“ vom 85er-Album „The Head On The Door“ neu zu interpretieren. Dies stellt insofern einen guten Mittelweg dar, als dass Henrik seit seinen Teenagerjahren von dem Stück begleitet wird, Anna es hingegen bis dato gar nicht kennt.

Henrik: „Das sicherte uns eine gewisse Frische, als wir uns dem Track näherten.“

Mögt ihr es, die Werke von Kollegen neu zu bearbeiten?

Anna: „Sehr! Es befreit uns. Der Originalsong ist wie eine dritte Person, die uns neue Herausforderungen und Inspirationen schenkt.“

Vor nicht allzu langer Zeit wagen sich marstal:lidell zudem an einen deutschsprachigen Song, Kraftwerks „Computerwelt“. Mit einem Augenzwinkern versehen, widmen sie dieses neben den ursprünglichen Interpreten auch Edward Snowden.

Henrik: „Wir wollten sowohl Snowden als auch Kraftwerk feiern, weil es uns so vorkommt, als hätten Kraftwerk genau jene von Überwachungsgesellschaft vorausgesehen, deren Existenz Snowden als Erster enthüllte.“

Wie wird es mit euch weitergehen? Was erwartet uns?

Henrik: „Wir veröffentlichen unser neues Album ‚All Shattered Pieces‘ im Mai. Darauf ist es uns aus unserer Sicht gelungen, unseren Sound zu verfeinern, in dem wir unsere Lieblingsinstrumente, Cello, Marxophone, Moog Taurus, Bass, E-Gitarre und allerhand Beats, genutzt haben.“

Anna: „Wir freuen uns, nach Deutschland zurückzukehren und zu touren, denn wir lieben das deutsche Publikum und möchten euer Land noch näher kennenlernen.“

Gewinnspiel

Um eine von zwei handsignierten „d.i.t“-CDs zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „marstal:lidell“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist der Freitag, der 08.04.2016. Die Teilnahme ist nur aus Deutschland möglich und der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Erfolg!

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