#27 – “WARUM TRÄUME SCHMERZEN KÖNNEN” MIXED BY BEN VAN FLIJKEN

In Musik by Website-Einstellung

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Erst kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, der mich zu Nachdenken anregte, aufregte aber auch in meinem ganz eigenen Empfinden bestärkte. Muss ich doch oftmals feststellen, dass so manch einer versucht, nach den Sternen zu greifen, sich in Ruhm und Erfolg, im Glück und in der Liebe zu baden und so in seinen Träumen versinkt, ohne zu begreifen, dass wenn diese real werden sollen, es auch bedeutet, etwas dafür zu tun. Glaubt doch tatsächlich manch einer, dass dies alles schnell, am besten zeitgleich und jetzt sofort, ohne großes Aufsehen, ohne irgendwelche Umschweife oder jegliche Entbehrungen geschieht. Einfach mal eben so, kampflos, weil es sich ja so schön davon träumen lässt?

Reichtum, ohne hart dafür zu arbeiten? Anerkennung, ohne jemals zu entbehren? Liebe, ohne jemals zu geben? Freundschaft, Familie und Lebenszeit, ohne aber auch nur etwas dafür oder gar sich selbst einzubringen? Wie soll das funktionieren? Dass es manches Mal, und ich behaupte, sogar immer, nicht ohne Schweiß, Anstrengung, Opfer oder gar Schmerz geht, scheint dabei viel zu oft vergessen zu werden. Egal, ob du an deinem Traumkörper, einem Ideal, deiner Karriere, deinem Familienglück oder der Liebe deines Lebens arbeitest, ja arbeitest, es ist und bleibt ein Knochenjob – immer und immer wieder. Es bleibt eine Aufgabe, die gelöst werden will und die dich stets und ständig vor neue Herausforderungen stellt. Wieder und wieder!

Natürlich träume auch ich. Natürlich wünsche auch ich. Natürlich! Glaube ich doch auch fest, dass „wer keinen Mut zum Träumen hat, hat [auch] keine Kraft zu kämpfen!“* Und doch ich bin mir bewusst, dass in dem Moment, in dem mich entscheide, für etwas einzustehen, etwas wirklich zu wollen, meinen Traum zu verwirklichen, ich auch die andere Seite betrachten muss. So bietet mir beispielsweise der Erfolg im Job (im besten Fall) jede Menge Geld und Anerkennung (zumindest im beruflichen Sinne), jedoch opfere ich dafür dann auch sicherlich sehr viel von dem, was ich sonst so sehr schätze: qualitative und selbstbestimmte Lebenszeit, Geselligkeit, Liebe. Will ich das? Ist es mir das wert? Entscheide ich mich dafür, kann ich es dann auch tragen? Ertragen? Mit Freude? Oder leide ich? Habe ich die Kraft und den Willen, einsame Nächte im Büro zu verbringen, unter Umständen ständig zu reisen, aus dem Koffer zu leben und die kaltschnäuzigen Oberflächlichkeiten der Geschäftigkeit zu ertragen?

[quote]Right through the shadows**[/quote]

Wage ich also den einen Schritt, muss ich mir doch unweigerlich bewusst sein, dass von nichts, auch nichts kommt und mindestens ein zweiter Schritt notwendig werden wird. Möchte ich zum Beispiel, dass meine Liebe bis ans Lebensende hält, sollte ich doch mein Herz jeden Tag aufs Neue öffnen. Ich sollte mich doch wieder und wieder fragen, mich selbst auch hinterfragen, ob ich bereit bin, auch scheinbar Unerträgliches auszuhalten, den Schmerz in Kraft zu wandeln, die Liebe tagtäglich zu stärken, gemeinsam zu wachsen und kompromissbereit die Ärmel hochzukrempeln und mein Glück selbst zu schmieden – ein Leben lang. Wieder und wieder. Will ich das? Kann ich das? Reicht meine Liebe, um das Schöne und Gute zu filtern, daran zu wachsen und das Leiden zu mindern – für mich, für dich, für uns. Oder drückt und schmerzt es zu sehr, sodass ich mich selbst vor den anderen stelle? Meine Belange und Wünsche allen voran? Oder trete ich – auch grundsätzlich und losgelöst vom Beispiel – lieber mal einen Schritt zurück, sage Nein, weil ich weiß, dass ich es nicht aushalten kann? Ist dann vielleicht sogar weniger mehr?

[quote]Bei allem, was man im Leben erreichen will, geht es nicht um Träume, sondern darum, welchen Schmerz dafür zu ertragen man bereit ist.***[/quote]

Übertragen auf das Leben, auf alles, was dazugehört, kann ich sagen, dass ich natürlich danach strebe, mich zu verwirklichen, zu wachsen und zu reifen, und versuche mir dabei dennoch treu zu bleiben und mich nicht zu verlieren oder gar aufzugeben, und natürlich soll und will ich das auch. Doch ganz ohne auch nur einen Blick nach links oder rechts, nach vorn und nach hinten zu wagen, wird ein Rangieren, ein Wenden oder gar eine Bewegung in die eine oder andere Richtung schier unmöglich. Wie auch? Entweder ich bewege nichts oder ich reiße blindlings ein, was ich selbst erschaffen habe. Und zwar mit voller Wucht. Und obgleich ich mich mit Freude, aus tiefem Herzen und mit einem unbändigen Willen für alles, was ich in meinem Leben erreichen will, entscheide und auch dafür einstehe – und sicherlich auch Glückseligkeit und Frohsinn dabei empfinde – so nehme ich doch auch in Kauf, dass so manches nur mit einer großen Portion Mut, der entsprechenden Aufopferung, einer gewissen Entbehrung, möglichen Kompromissen und auch Schmerzlichem verbunden sein kann. Die Frage, die also nach wie vor bleibt, ist, ob ich bereit und vor allem Willens bin, die Konsequenzen und möglichen Nebenwirkungen, die das Realisieren meines Traums erfordert, zu tragen und vor allem zu ertragen.

Podcast, Mix, Elektro

Keine Frage des Willens oder gar der Erträglichkeit hingegen ist es, euch meinen heutigen, musischen Begleiter vorzustellen. Unser siebenundzwanzigster Podcast kommt heute aus Bayern und findet seinen Weg vom Ohr direkt ins Herz. Dieses Mixtape ist so besonders wie der Mensch, der es geschaffen hat. Mit viel Liebe zum Detail, jeder Menge Leidenschaft zur Sache und einem irrsinnigen Gespür für wohlklingende Melodien und sphärische Sounds kreiert Ben van Flijken für euch einen Mix, der es in sich hat. Beinahe an jedem Track, den er für euch rausgesucht hat, legte er selbst Hand an. Exklusiv und individuell. So zaubert er stilsicher eine traumhafte Stimmung und erzählt eine Geschichte, die Raum für Interpretation und jede Menge Inspiration schafft. Ein auditiver Traumtanz sonder Gleichen!

Ben van Flijken heißt im echten Leben Benni, ist 33 Jahre alt, kommt aus München und ist riesiger FC Bayern-Fan. Er liebt das Meer, seine Heimatstadt aber auch unsere Hauptstadt Berlin. Vor allem aber liebt er die Musik. Schon in seiner Jugend begann er, Musik zu sammeln und opferte dafür auch gerne mal sein komplettes Taschengeld. Mit den ersten Liveübertragungen aus Münchner Clubs im Radio entdeckte er schließlich auch seine Liebe zur elektronischen Musik. Bis 2010 moderierte das Münchner Talent seine eigene Webradioshow namens „Happy Hour“. Fast 3 Jahre lange stellte er größtenteils Chartmusik vor, bevor er sich endgültig entschloss, die Sendung aufzugeben und sich zu 100% seiner wahren Leidenschaft zu widmen: den elektronischen Beats aller Art.

Irgendwann jedoch wollte er mehr als „nur“ sammeln und hören. Er wollte seine eigenen Gedanken in Musik unterbringen und mithilfe dieser ausdrücken. So entstanden bald schon die ersten Mixtapes, die er vorerst nur für sich selbst aufnahm und später dann auch ein paar Freunden zugänglich machte. Durch seinen Eintritt in die Soundcloud-Community verbreiteten sich seine Sets schneller als gedacht und brachten ihm nicht nur eine wachsende Hörerschaft und einige Gastmixe bei Klangextase, Rolandsons Seasidetrip, Schatzkiste und Naff Music ein, sondern ermöglichten ihm auch die Erschließung vieler neuer Kontakte, aus denen sich sogar die eine oder andere Freundschaft entwickelte. Benni lernte so auch Menschen kennen, die ihn und sein Leben bereicherten und heute noch bereichern.

Er sagt von sich selbst, dass er aktuell eine „gewisse Metamorphose“ durchläuft, die sich vor allem in Bezug auf seinen ganz eigenen Musikgeschmack äußert. Immer ein bisschen anders, immer ein bisschen besonders, stets etwas eigen, jedoch immer den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Unermüdlich ist er auf der Suche nach außergewöhnlichen Sounds. Um seine eigenen Ideen umzusetzen, seine Gedanken und Gefühle in Melodien zu verpacken, so verriet mir der ambitionierte Bayer, möchte er unbedingt beginnen, selbst Musik zu produzieren. Sein größtes Vorbild und eine stetige Quelle der Inspiration ist Max Cooper. Der über die Landesgrenzen hinaus bekannte britische Produzent und DJ beeindruckte Benni mit seinem Boiler Room Set – in dem er letztes Jahr von Klaviermusik, über Ambient, Broken Beats, House und Techno bis hin zu Glitch so viele elektronische Spielarten vermixt hat – so sehr, dass er in ihm scheinbar seinen Meister gefunden hat.

Ich wünsche dir, lieber Benni, dass du diese Inspiration in dich aufnehmen, für dich verarbeiten und weiter entwickeln kannst und ich bin jetzt schon ganz gespannt, was da zukünftig auf uns zukommt und wünsche dir für dein Vorhaben maximale Erfolge, ein gesundes Ohr, jede Menge Kraft und einen langen Atem!

Für heute jedoch möchte ich dir für ein Ausnahmeset in unserer kleinen Reihe danken, das mich zum Träumen inspirierte, mir mehrfache Gänsehautschauer bescherte und mich selbst nach wiederholtem Male Hören mit offenem Mund und mit einer Träne der Rührung im Auge zurücklässt. Da wir bereits die Gelegenheit hatten, uns außerhalb der virtuellen Welt, also im echten Leben, zu begegnen, wundervolle Momente zu teilen und uns ausgiebig über die Musik auszutauschen, weißt du, wie sehr ich deine Leidenschaft teile, wenngleich wir uns nicht immer zu 100% musikalisch treffen, finden wir doch stets zueinander und fühlen uns verbunden. Du weißt, wie sehr ich dich als Musiker schätze und dass ich mich aufrichtig freue, dass du meiner Einladung gefolgt und heute mein Gast bist! Ich danke dir für jeden Moment, den du für uns mit deinem Mix schaffst – von traumhaft schwerer Melancholie über tief ergreifenden Freudentaumel bis hin zum ekstatisch technoiden Wahnsinn – jeder Moment, jede Minute ist ein Highlight und so facettenreich wie das Leben selbst! All deine Mühen, all die Arbeit und all dein investiertes Herzblut haben sich mehr als nur gelohnt und sind absolut spürbar! Deine auditive Handschrift (wenn ich das so sagen kann) ist quasi unverkennbar und hörbar. Danke!

Euch, meinen lieben Freunden der gepflegten Abendunterhaltung, wünsche ich einen zauberhaften Music Monday, ganz viel Spaß mit unserem Podcast Numero 27 und jede Menge Kraft und Mut für eure Träume!

Enjoy & Support!
Euer Fräulein Frutkoff

Tracklist – Kultmucke Podcast #27 mixed by Ben Van Flijken

  1. Matthias Delplanque – Carrelet (Intro)
  2. Lemures – II
  3. Cem Güney – City I
  4. Max Cooper & Tom Hodge – Teotihuacan (Part 1)
  5. Matthias Delplanque – Travelling w/ Max Cooper – Glits2
  6. Daughter – Youth (Izzard Edit)
  7. Apparat – Goodbye
  8. Max Cooper – Woven Ancestry w/ Max Cooper – Binaural Museum
  9. The Howling – Shortline w/ Heartbeat Outro by Ben van Flijken
  10. Bostro Pesopeo – Cheer Up
  11. Luis Keno f/ Kimono – Borrowed Places (Eric Volta & The Sullen Cruzifixtion Of My Third Eye Vocal Remix)
  12. Khayalan Trio – Sansula Atmosphere (Intro Cut by Ben van Flijken
  13. Max Cooper – Origins (Extended) w/ Max Cooper f/ Kathrin DeBoer – Numb (Vocals Only Intro Cut)
  14. SB* – Matters Of Depth w/ Matthias Delplanque – Carrelet
  15. Max Cooper f/ Kathrin DeBoer Vs Amon Tobin – Numb Bedtime Stories (Ben van Flijkens Krawall MashUp)
  16. Ten Walls – Walking With Elephants (Kant Remake)
  17. Winter Son – Polar Vanquish (BAAL Remix)
  18. Matthias Delplanque – Carrelet (Outro)

* © Paul M. Zulehner
** frei nach Luis Keno f/ Kimono – Borrowed Place
*** © Christoph Raetke

illustration used for cover artwork © by One Last Shade; cover artwork © by Fräulein Frutkoff
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