SPECIAL: KULTMUCKE PODCAST #11 – “CREEP OFF” MIXED BY ANDREAS HÜBNER

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Vor einigen Wochen bereits bin ich auf ein Zitat gestoßen, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Ein Satz, der mich hat zweifeln lassen. Wenige Worte, die mich grübeln lassen und deren Ausmaß ich weder zu kennen vermag, noch zu begreifen scheine: „Schweigen – nur eine leisere Form der Lüge.“ Gehe ich von mir selbst aus, muss ich gestehen, dass ich intuitiv bei denen bin, die sofort bestätigend „Ja, so ist es!“ rufen würden. Doch denke ich genau darüber nach, spüre ich, wie sich Unsicherheit und Zweifel breitmachen. Ich stelle diese Aussage, deren Herausgeber mir unbekannt ist, infrage:

Schweigen – nur eine leisere Form der Lüge?

Einerseits denke ich, dass es viel mehr – aus welchem Grund auch immer – das Zurückhalten einer Wahrheit sein könnte. Einer Wahrheit, die du schweigend in dir trägst. Doch warum schweigen, wenn es doch die Wahrheit sein sollte? Ist dieses Schweigen dann tatsächlich eine leisere Form der Lüge. Beschreibt das Wort „Lüge“, nehmen wir mal die „kleinen“ Notlügen aus der Betrachtung raus und den Duden zur Hand, eine „bewusst falsche, auf Täuschung angelegte Aussage“. Eine Aussage, die „absichtlich“ und „wissentlich“ getätigt wird und somit der „geäußerten Unwahrheit“ entspräche. Erfahrungsgemäß wird gelogen, um sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen oder um sich selbst oder andere zu schützen. Ersteres widerstrebt mir und käme mir wohl nicht in den Sinn. Doch Letzteres verstehe ich unter dem Aspekt, Dritten nicht zu schaden. Außerdem kann ich mich davon auch nicht freisprechen, habe ich es wohl selbst auch schon getan und tue es – schweigend! In diesem Fall äußere ich mich nicht und/oder halte mich zurück. Halte mich raus. Löse vielleicht sogar das Versprechen ein, mich in Schweigen zu hüllen, um ein Geheimnis eines Dritten zu hüten. Schütze. Beschütze? Betrachte ich dann mein Schweigen, wirklich als Lüge? Lüge ich dann „leise“?

Darüber hinaus kenne wohl auch ich das Gefühl, etwas nicht teilen zu wollen. Etwas von mir. Auch ich mag mich nicht immer mitteilen. Schweige. Schweige, um des Friedens willen. Schweige für mich. Ist dieses Schweigen dann tatsächlich eine Lüge? Belüge ich doch im schlimmsten Fall nur mich selbst? Lüge ich dann wirklich? Heimlich, still und leise? Schleiche ich mich davon, drücke mich vor einer möglichen Verantwortung oder gar Konfrontation? Wäre dies eine Lüge im Sinne des bewussten Verschweigens, des Zurückhaltens? Und wenn dem so ist, macht es das Verschweigen wirklich besser? Hilft es tatsächlich? Schützt es wirklich? Kommt die Wahrheit doch immer ans Licht! Immer. Wirklich immer?

Selbstverständlich würde ich wohl, stellt man mir diese Fragen, nicht zwingend von einer Lüge sprechen. Und doch fühle ich mich automatisch mies dabei. Ihr nicht? Bricht es dann nicht doch irgendwann aus mir heraus? Drückt und schiebt, drängt und drängelt? Früher oder später. Bin ich doch Mensch. Ein Mensch mit Gefühl und Verstand. Ein Mensch, dessen natürlicher Charakter das „Schweigen“ nur schwer erträgt – gerade dann, wenn es um die Wahrheit geht! Kann und will ich dann zurückhalten? Wohl bin ich mir bewusst, dass dies dann angemessen und gut überlegt zu tun ist, nicht verwirrt, beängstigt, verstört oder gar Unmut stiftet, wenngleich ich das niemals ausschließen kann. Und doch glaube ich wiederum auch, dass ein Geständnis, ein mögliches Eingeständnis und somit die Wahrheit, oftmals leichter zu ertragen sind, mich befreien und leichter leben lassen, als ständig und ewig die Luft anzuhalten und mich stetig abzuducken. Und das, obgleich ich auch überzeugt bin, dass es ab und an wichtig sein kann, bestimmte Gedanken niemals Worte werden zu lassen. So trage auch ich Gedanken in mir, die besser nie Worte werden sollten. Gedanken, die nur mir gelten, die ausschließlich mich betreffen. Mich ganz allein. Mich und niemanden sonst. Und ich weiß, für mich, dass dies dann wohl eine leisere Form der Lüge sein muss. Eine Lüge, die jedoch niemandem schadet, denn in diesem Moment glaube ich ganz fest, dass das Schweigen (mich) schützt und dass im schlimmsten Fall ich selbst der einzige Leidtragende bin.

Ihr seht, wie ich es auch drehe und wende, ich finde keine Lösung und die Frage bleibt offen: „Schweigen – nur eine leisere Form der Lüge?“ Kennt ihr die Antwort?

Music Monday, Kultmucke, Podcast, Andreas Hübner, null4277, Fräulein Frutkoff, Musikmagazin, Berlin

Eines weiß ich jedoch ganz genau und kann ungelogen behaupten, dass ein Schweigen darüber gänzlich ausgeschlossen ist: Musik! Bekanntermaßen drückt sie „das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ (Victor Hugo) Deshalb werde ich nun auch, bis auf wenige folgende Worte, schweigen und sie einfach sprechen lassen. Ich bin hoch erfreut, euch unseren nun mehr elften Podcast zu präsentieren. Es macht mich wirklich glücklich, dass ich für diese Reihe und unsere gemeinsame Musikstunde hier auf Kultmucke einen weiteren Herzensgast gewinnen konnte. Und ihr könnt mir glauben, es war nicht leicht, ihn zu überzeugen!

Andreas Hübner erweist uns an diesem frostigen Montag die Ehre und erwärmt mit seinem exklusiven Mix meine Ohren. Vor gut einem Jahr war er bereits „ungewollt“ Gast bei uns hier auf Kultmucke und versüßte mir mit seinem Mix „Cats don’t groove“ den Heiligen Abend. Heute ist er freiwillig angetreten, um unsere Ohren zum Glühen zu bringen!

Andreas ist einer der Köpfe von null4277 und Urgestein der Crew. Mit viel Herz & Verstand, seinem hohen Maß an Kreativität und seinem ganz speziellen, eigenen musikalischen Stil bereichert er die Crew und bildet so eine wesentliche Konstante. Erst Mitte der 2000er entdeckte er seine Passion zur elektronischen Musik, vor allem aber zum Techno. Über einige musikalische Umwege, als tanzender Partygast aber eben auch durch den ansteckenden Enthusiasmus und die tiefe Begeisterung für die Musik von Menschen in seinem privaten Umfeld – insbesondere sein Bruder und nicht zuletzt sein Freund René – begann der Musikliebhaber die elektronische Musik und ihre vermeintlich „oberflächliche“ Szene, mit ihrer „weniger inszenierten Art zu feiern“ und ihrer „Vorbehaltlosigkeit“ für sich zu entdecken und lernte genau das an ihr zu schätzen.

Was ich früher als „oberflächlich“ betrachtet habe, ermöglicht letztendlich einen wahnsinnig breiten Input – sowohl auf musikalischer als auch auf menschlicher Ebene.

Mittlerweile genießt er die „Freiheit“, die das alles mit sich bringt. Das gilt sowohl für die Musik als auch für die Menschen, die er trifft. Seit ca. 2006 verwöhnt der studierte Sozialwissenschaftler nun selbst die Ohren seines Publikums mit feinstem Techno & Tech House. Dabei darf es gerne auch mal etwas düster und dreckig sein und vor allem ordentlich nach vorne gehen. Seinen eigenen Anspruch auf Perfektion überträgt er dabei wie selbstverständlich auf seine Sets und liefert so wahnsinnig gute Musik, die einen nie stillstehen lässt! Das brachte ihn nicht nur in die Clubszene von Leipzig, sondern auch in unsere Hauptstadt, wo er 2012 die anspruchsvolle Hörerschaft im Suicide Circus paralysierte und einfach wegfegte. Andreas Hübner – sensationell speziell.

Von meiner ursprünglichen „Soundsozialisation“ ist natürlich noch vieles übrig geblieben – zu viel Sonnenschein im Set ist mir immer noch suspekt.

Kuschelt euch ein, schließt die Augen und lasst euch von ihm in eine andere Welt mitnehmen. Eine Welt, die vielleicht weniger Sonnenschein bietet, dafür aber jede Menge Feuer und heiße „elektronische Spielereien“!

Enjoy & Support!
Euer Fräulein Frutkoff

Tracklist – Kultmucke Podcast #11 mixed by Andreas Hübner

  1. Robag Wruhme – Thora Vukk (Album Mix)
  2. Luisine – Lucky People (Lake People Remix)
  3. Kollektiv Turmstrasse – Ordinary (Live)
  4. Solee – Different (Pascal Vert Remix)
  5. Mano Le Tough – Primative People (Tale of Us Remix)
  6. Booka Shade – Haleshop
  7. Stefan Bodzin – Roter Zwerg
  8. Microtrauma – Olivia
  9. Dominic Eulberg – Adler (Massterton’s Haarstadler Remix)
  10. Michael Graciopopo – Creep feat. Wayne Tennant
  11. Dj Koze vs. Hildegard Knef – Ich schreib dir ein Buch 2013

cover artwork © by Fräulein Frutkoff
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