SPECIAL: KULTMUCKE PODCAST #10 – „WILLENLOS“ MIXED BY OLLE SUSI

In Musik von Fräulein Frutkoff

Genre:

Das mit dem Gefühl, die Sache mit dem Herz, scheint oftmals wie eine Sucht: Manches Mal zuckersüß, lieblich und mild. Willig.  Manches Mal jedoch auch bitter, herb und zerstörerisch. Willenlos. Zwingend und verführerisch zu gleich. Und obwohl du weißt, dass es dir wohl nicht gut tut, lässt du nicht los. Und obwohl du auch weißt, dass es eine zerstörerische Kraft entwickeln kann, gehst du das Risiko ein. Lässt es zu. Beugst dich. Gibst dich hin. Gibst nach. Wieder. Und wieder. Willenlos.

Du kannst es selbst nicht erklären, und doch weißt du. Du weißt es besser. Und obgleich, du dich bemühst, ist es wie eine mächtige Kraft, die Verstand und Geist an sich reißt, kontrolliert, steuert. Fremd gesteuert? Jede Faser deines Körpers sträubt sich. Bäumt sich auf und doch lässt du es zu! Du lässt es geschehen! Denn im gleichen Moment fühlst du dich gestärkt, befreit, berührt, geführt. Dein Verstand hat sich im Kampf ergeben. Er beugt sich deinem Herzen, welches ungeahnte Kräfte freisetzt. Jene Kräfte, deren Steuer du nicht halten kannst und deren Sog du schon längst verfallen bist. Kräfte, die dich aber auch tragen und dich glauben lassen. Kräfte, die deine Hoffnung schützen wie ein mächtiges Schild, eine Mauer. Du fühlst dich stark, wenngleich du schwach scheinst. Schwach. Schwächer. Willenlos.

Und du versinkst wieder und wieder in diesen Augenblicken, den Momenten voller Magie und Glückseligkeit. Du lässt dich wie selbstverständlich in die dunklen Tiefen dieser Momente, in das scheinbar Ungewisse ziehen. Hoffnungsvoll und zugleich willenlos. Du tauchst ein. Tauchst ab. Du genießt, fliegst, treibst und doch wirst du gezogen. Gezogen von den kräftigen den Armen eines unbändigen Gefühls, über das du selbst schon lange die Kontrolle verloren hast. Scheinbar? Wirklich? Willenlos.

Diese Sucht scheint eine Suche. Eine Suche nach Geborgenheit. Eine Suche nach Bestätigung. Eine Suche nach Liebe. Eine Suche nach dir selbst. Eine Suche nach dem Licht. Dem Licht, welches mehr einem Spiel mit dem Feuer gleicht. Dem Feuer deines Herzens, das so sehr brennt, dass es schmerzt. Und doch suchst du genau diesen Schmerz, wohl um nur irgendetwas zu spüren, dich zu spüren? Die heißen Flammen greifen über und fressen sich lodernd durch dein Herz bis hin zum Verstand. Sie umschlingen ihn, fesseln und binden. Scheinbar schützend und wärmend und doch rauben sie dir jeden klaren Gedanken. Umschlingen? Verschlingen! Willenlos.

Das Herz hat Gründe, die der Verstand nicht kennt.
(Blaise Pascal)

Und obgleich du den Weg kennst, die Antwort klar zu sehen ist – so klar wie das rettende kristallklare, kalte Wasser – und du wüsstest das Feuer zu löschen, kannst und willst du es nicht! Zu sehr bist du fasziniert von der Glut, die immer wieder entflammt und sich in deine Seele brennt! Einbrennt, was dein Herz vorgibt. Suchend. Süchtig. Willenlos.

Music Monday, Kultmucke, Podcast, Olle Susi, Fräulein Frutkoff, Musikmagazin, Berlin

Weniger willenlos als viel mehr wirklich gewollt, wartet unser heutiger Gast mit ganz viel Herz und Verstand auf! Ich bin hocherfreut, dass unsere Podcastreihe nun endlich mal auch die „weibliche Seite der Musik“ aufzeigen darf und dass ich sie für uns gewinnen konnte.

Unser Gast versteht es mehr als meisterlich, die Glut so zu schüren, sodass ihre musikalischen Schätze sofort und immer wieder das Feuer in den Herzen ihrer Fans entflammen!  Sie ist – und ich denke, ich spreche nicht nur für mich – aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken und mehr als nur ein geschätzter und lieb gewonnener Freund, wenngleich sich unsere Freundschaft – bis jetzt – vorrangig durch die Welt der Neuen Medien definiert. Und dennoch, es scheint wie ein Einklang – zwei Herzen und ein Schlag – der uns verbindet. Denn neben der tiefen Leidenschaft für die Musik teilen wir die Passion des Schreibens und die Liebe zum Meer.

Kennengelernt habe ich sie durch meine eigene Aktivität auf der Wolke. In beinahe jedem Mix oder Track, der mich berührt, hat auch sie ihre Spuren hinterlassen. Ihre liebevollen, vor Leidenschaft & Tiefgründigkeit strotzende Kommentare, zum Teil halbe Romane voller Passion, faszinieren mich – damals wie heute! Sie brennt für die Musik – und das spürst du. Oftmals war es auch sie, die mich zu ganz besonderen musikalischen Stücken und großartigen Künstlern geführt hat und noch immer führt.

Die 23-jährige gebürtige Berlinerin ist für mich persönlich ein Phänomen! Vom Listener zum Artist! Nach dem ich sie anfangs „nur“ als Fan und Hörer, wie ich selbst einer bin, wahrgenommen habe, überraschte sie im Jahr 2012 mit ihrem ersten eigenen Set. Ich werde diesen Tag wohl nie vergessen. „Wenn Kleine Mäuse Tanzen Lernen“ schlug ein, wie eine Bombe. Trotz hörbarer Unsicherheiten und klitzekleiner „Anfängerfehler“ ist dieser Mix eine unsagbar schöne Quelle feinster musikalischer Perlen, die sie liebevoll und mit viel Gespür selektierte und zu einer wundervollen auditiven Kette verknüpfte. Nur allzu gerne schenke ich ihr nach wie vor mein Ohr. Ihre selbstlosen und zurückgenommenen Worte dazu berührten mich ebenso sehr, wie der erste Ton dieses Sets.

Beschreibe dein Leben in 3 Worten:
MUSIK – LEIDENSCHAFT – LIEBE!

Ihre tiefe Liebe zur Musik, die weitestgehend ihr Leben bestimmt, sie durch eben dieses – nach eigenen Aussagen – getragen hat und noch immer trägt, ist in ihrer „Arbeit“ spürbar. Egal ob als kommentierender Hörer oder musizierender Artist selbst. Die Musik als Zuflucht, als Kanal und Ventil zu verstehen und vor allem zu nutzen, prägt ihren Stil. Ja, richtig gelesen: ihr Stil. Dieser ist, trotz ihres jungen Alters und ihrer ebenfalls noch jungen Aktivität als DJ, bereits sehr stark ausgeprägt und meines Erachtens schon heute unverkennbar. Ihre erste Liebe zu technoiden und minimalen Beats ist bis heute unverkennbar – und ich würde behaupten auch unverändert – wenngleich ihre Stilistik sich doch zunehmend der Deepness verschreibt. Am beachtlichsten finde ich allerdings, dass das junge Talent, das sich neben der Musik alltäglich und beruflich im sozial medizinischen Bereich engagiert, dieses Handwerk praktisch autodidaktisch erlernt hat. Gefesselt von der elektronischen Musik und getrieben von dem Wunsch zu verstehen, wie diese entsteht, wie man sie „macht“, hat sie sich vor noch nicht mal 2 Jahren einfach ihr erstes Equipment gekauft und begonnen zu experimentieren. Mit viel Herzblut hat sie geforscht, DJs befragt, beobachtet, probiert und zugehört – und so gelernt. Chapeau!

Man hört Sachen ganz anders, sehr viel intensiver. Man hört Musik nicht nur, man arbeitet mit ihr, achtet auf jeden kleinen Ton.

Dass sie nicht nur einen wundervollen Musikgeschmack und ein gutes Ohr hat, sondern viel mehr auch noch wortgewandt ist, stellt sie nicht nur mit ihren tiefgründigen Begleittexten zu ihren Sets unter Beweis. Ihre treue Leserschaft, zu denen auch ich zähle, schätzt ihre erfrischende Art, die Dinge im Leben zu sehen und zu reflektieren, ihre spezielle Gabe Musik in Worten wiederzugeben und zu interpretieren – und das mit einer einzigartigen Tiefgründigkeit, einem ganz besonderen Humor & ihrem unwiderstehlichen Charme. Doch auch schwere Zeilen fallen der scheinbar gedankenverlorenen Seele nicht schwer, auch wenn sie diese dann selbst als „kitschig“ und „oll“ bezeichnet, polarisiert sie immer wieder mit ihren Texten auf der Wolke, ihrer Facebook Seite oder mit ihren Kolumnen auf www.frueher.com.

Wie ihr merkt, ich könnte ewig über diese junge Dame schreiben. Doch will ich euch auch nicht langweilen oder gar die Spannung ins Unermessliche ziehen, wenngleich ich mir sicher bin, dass ihr alle schon längst wisst, von wem hier die Rede ist. Wahrscheinlich habt ihr auch schon nach ganz unten gescrollt, um endlich Play drücken zu können. Ich könnte es gut verstehen, denn nicht nur heute ist ein guter Tag zum Tanzen!

Nun also, lange Rede, kurzer Sinn: Dreht die Boxen auf, denn es ist mir eine riesige Freude, euch heute in einen ganz besonderen Music Monday zu entlassen, den uns die liebe Olle Susi musikalisch versüßen wird. Ihr Mix ist bespickt mit vocallastigen, deepen Tracks, ist wunderschön verspielt aber zugleich auch „herrlich minimal“ bis technoid. Ich finde, es ist eine ganz einzigartige musikalische Reise, deren Ende gleich wieder der Anfang ist und mit der sie mich einmal mehr und sofort abgeholt hat. Nur Fliegen ist schöner!

In diesem Sinne komme ich zum Abschluss und wünsche euch allen einen zauberhaft herbstlichen Montagabend voller Musik!

Enjoy & Support!
Euer Fräulein Frutkoff

Tracklist – Kultmucke Podcast #10 mixed by Olle Susi

  1. Benjha – Solemn City
  2. Agoria – Scala
  3. Enrique Gongora meets The Ticket – El Cha, Cha, Cha (Funk Shuei Remix)
  4. Animal Trainer – Dragon Games
  5. Glaze – Numbers and Days (Nagy & Herzschwester Joint Forces Remix)
  6. Iladio Alicante, Todd Bodine – Modern Apocalypse
  7. Michael Gracioppo ft. Wayne Tennant – Creep
  8. Sascha Funke vs. Nina Kravitz – Moses (Stimming Remix)
  9. Martin Dacar – I Saw A Ghost
  10. Dole & Kom – Trocken (Schlepp Geist Remix)
  11. Tom Ruijg – Space Frase

cover artwork © by Fräulein Frutkoff
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