Read + Listen: Ja Ja Ja #3

In Berlin by Martin

Genre:

Berlin ist wieder einmal um ein Veranstaltungskonzept reicher – und der Erfolg gibt diesem Recht. Nachdem bereits der Auftakt der ursprünglich aus London stammenden Eventreihe Ja Ja Ja von einem breiten Publikum zelebriert wurde, konnte auch die zweite Ausgabe durch ein großartiges Line-Up punkten und lockte zahlreiche Besucher in den Keller des FluxBaus.

Nun steht Weihnachten vor der Tür und die Macher von Ja Ja Ja haben in diesem Zuge ein paar sehr unterschiedliche skandinavische Geheimtipps für ihr Christmas Special, am 11.12.2014, nach Berlin eingeladen. Während Noah Kin auf kräftige Hip-Hop-Reime als Ausdrucksmittel setzt, wandert Sekuoia durch sphärische Glitch-Gefilde und Truls entfliegt mit seinen Songs in einer farbenfrohen Pop-Seifenblase. Kultmucke hat die drei Herren mit einigen Fragen konfrontiert und ihnen eine Auswahl ihrer eigenen Songs für unsere “Ja Ja Ja”-Playlist entlockt.

Noah Kin

Noah KinWenn man an Finnland denkt, würde man dort vielleicht nicht im ersten Moment eine blühende Rap-Szene vermuten, allerdings entstammt der 20-jährige Noah Kin genau dieser. Drei Alben zieren den Weg des in seiner Heimat etablierten Künstlers. Doch auch das Ausland ist auf den finnisch-nigerianischen Rapper aufmerksam geworden und so prophezeit man ihm bereits vielerorts eine erfolgsversprechende Karriere.

Mit welchen Genres identifizierst du dich am meisten?

„Am ehesten wohl mit düsteren Genres wie Noise Rock oder Punk, vor allem, wenn es um meinen Musikkonsum geht. Wenn ich mich hingegen selbst ausdrücke, ist Hip-Hop schon immer mein Genre gewesen, obwohl ich auch andere Musikrichtungen gefunden habe, in denen ich zu atmen vermag.“

Wie kann man sich die finnische Rap-Szene vorstellen?

„Am besten denkt man sich ein nordisches Land, von dem man nichts weiß, außer, dass es dort Saunas gibt. Dann fügt man eine unglaublich vielschichtige Rap-Szene hinzu – das war‘s auch schon.“

Was inspiriert dich?

„Alles. Die Leute um mich herum, Liebe und andere Emotionen sowie sämtliche Lebenserfahrungen. Musik und visuelle Kunst inspirieren mich auch.“

Kannst du dich an einen deiner Auftritte erinnern, der sich zu einem echten Desaster entwickelte?

„Normalerweise denk ich an solche Auftritte nicht zurück, aber es gibt ein paar aus den frühen Tagen. Einmal wurde ich als Headliner für ein kleines Festival gebucht, doch irgendwann wurde mein Set auf vier Songs gekürzt, weil keiner zu den Stücken tanzte. Die Leute wissen manchmal einfach nicht, was sie wollen.“

Wer sind deine frühen Musikidole?

„Ich kann keinerlei Kindheitserinnerungen abrufen, weil ich zu verkorkst bin, aber ich erinnere mich, wie ich Videos von Kanye West bei MTV sah, damals als noch Clips gezeigt wurden. Kanye gab mir immer das Gefühl, derjenige sein zu können, der ich sein will und dass ich alles erreichen kann, was ich will. Um es mit seinen Worten zu sagen: Go for everything you want.“

Sekuoia

SekuoiaPatrick Alexander Bech Madsen mag zwar die dänische Staatsbürgerschaft besitzen, doch ist das Electronica-Wunderkind eigentlich in der Modestadt Düsseldorf geboren. Sekuoia, wie sich der Produzent und Musiker selbst nennt, verbrachte zudem auch einen Großteil seines Lebens in Detroit. Die Welt schon in jungen Jahren gesehen und bewandert zu haben, scheint das Werk des 21-Jährigen positiv beeinflusst zu haben. Mit Humming Records hat Sekuoia nun eine deutscheLabel-Heimat für seine nächste Veröffentlichung gefunden.

Welcher war der letzte Song, in den du dich verliebt hast?

„Das war SBTRKTs ‚Higher (feat. Raury)‘.“

Weshalb hast du Sekuoia als Namen für dein Projekt auserkoren?

„Tatsächlich geschah das ein wenig willkürlich. Meine Eltern sammeln Kühlschrankmagneten und einer war aus dem Sequoia Nationalpark in Kalifornien. Mir gefiel der Klang, also machte ich die Schreibweise noch googlebar. Zudem denke ich, dass der Name unsere Musik ganz gut widerspiegelt.“

Wenn du einen Track empfehlen müsstest, der deine Arbeit am besten repräsentiert, welcher wäre das?

„‚Evenings‘. Ich glaube, das Stück enthält viele Elemente, die ich auch bei neueren Produktionen beibehalten will.“

Für welche Momente sind deine Titel gemacht?

„Für Sonnenauf- und vielleicht auch für Sonnenuntergänge.“

Was bringt dich zum Lachen?

„Dummer Internetkram. Doritos, Mountain Dew, friendzoned und no scoped sind da die Stichworte.“

Truls

TrulsAls Frontmann der norwegischen Rockband Lukestar begann Truls Heggero seine Karriere. Heute ist er solo unterwegs und sorgte jünst mit seiner Single “Out Of Yourself” für Aufsehen. Die Kombination aus charttauglichen Rhythmen und der extravaganten Stimmfarbe des Sängers haben Truls sowohl im Mainstream als auch Independentbereich bekannt gemacht.

Worauf achtest du, wenn du einen neuen Song schreibst?

„Darauf, die beste Melodie zu finden. Dem Song gerecht zu werden und gleichzeitig etwas Eingängiges zu erzeugen – das ist neu in der Welt des Pops.“

Kannst du dich noch an die erste Show entsinnen, die du gespielt hast?

„Ja. Ich war 14 Jahre alt. Der Gig fand in meiner Heimat Oslo statt. Es handelte sich um eine Show, auf der Alkohol zwar verboten, dennoch aber jeder betrunken war.“

Wie erlebst du als Newcomer die Musikindustrie heutzutage?

„Es dreht sich alles um den einen Song. Alben sind nicht mehr wichtig. Ich versuche, mich selbst aus der Industrie herauszuhalten und mich auf das Songwriting zu konzentrieren. Beziehungsweise eben das zu tun, was ich kann.“

Wie würdest du jemandem den „Truls-Sound“ beschreiben, der deine Musik noch nie zuvor gehört hat?

„Als Popmusik, die von den Achtzigern und einem urbanen Gefühl inspiriert ist. Dazu kommt meine hohe Stimme, die den Melodien Farbe verleiht und sie unvergesslich macht.“

Was magst du an Skandinavien?

„Allem voran die Natur. Es gibt weite Gegenden voller unberührter Wildnis, in denen du Inspiration und Frieden finden kannst. Außerdem sind unsere Jahreszeiten so extrem, dass es nie langweilig wird.“

Playlist: Ja Ja Ja #3