Review: Olli Schulz im Theater am Kurfürstendamm

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An vier Abenden in Folge spielte Olli Schulz im restlos ausverkauften Theater am Kurfürstendamm und bot mit seiner speziellen Mischung aus Akustikgitarre, großer Komik und reichlich Improvisation ein grandios unterhaltsames Programm.

Es ist Freitagabend, wenige Minuten vor acht, der Saal im Theater am Kurfürstendamm füllt sich allmählich. Schnell noch das Handy ausmachen, schließlich sind wir im Theater, Hochkultur und so. Hier ist nix mit Live-Übertragung via Snapchat. Der Saal wird dunkel. Als nächstes leuchtet eine Leinwand hinter der Bühne auf: es handelt sich um einen Videomitschnitt aus der heute Nachmittag aufgezeichneten Fest & Flauschig-Sendung, dem Podcast von Olli Schulz und Satiriker/ Moderator/ Polizistensohn Jan Böhmermann, der wöchentlich auf Spotify erscheint. Der blasse dünne Junge schickt Grüße, gewährt dem Publikum noch schnell via Webcam einen Blick auf seine Nasenhaare und lässt es sich nicht nehmen, Ollis großen Auftritt anzukündigen. Der betritt nun die Bühne, den dritten Abend in Folge – und er hat richtig Bock.

„Kein Abend verläuft hier wie der andere“, erklärt er, er habe sowieso eigentlich kein Konzept. Höchstens ein bisschen: Anders als auf seinen Tourneen in den letzten Jahren ist er diesmal solo auf der Bühne, ohne Band, nur er, seine Gitarre und ein iPad, über das er persönlich das eine oder andere Sehenswürdigkeit auf die Leinwand im Hintergrund jagt.

Dass Olli Schulz gerne Geschichten erzählt, das wissen nicht nur treue Fest & Flauschig-Hörer. Im Gegensatz zu vielen Konzerten, bei denen vom Künstler gerade mal ein „Hello guys, how are you? Great to be here!“ zwischen zwei Songs zu hören ist, zeigt sich Olli als wahrer Universalunterhaltungskünstler. Er verbringt tatsächlich einen großen Teil der Show mit Quatschen, Witze reißen, hier noch mal eine Anekdote raushauen und zwischendurch eine DVD-Box der 2. Staffel Sopranos an einen Zuschauer verschenken.

Mit Hilfe seiner iPad-gesteuerten PowerPoint-Präsentation wird allerhand Kurioses aus Ollis Vergangenheit zu Tage gefördert. Videomitschnitte von älteren Auftritten zum Beispiel: Mit Cowboy-Hut und verstörend schlechtem Playback auf einem spärlich besuchten „Country Festival“ oder auf einem Kreuzfahrtschiff vor einer Seniorenrunde, die so ganz und gar nicht begeistert von seiner „viel zu lauten“ Musik gewesen sei. Dass Olli Schulz sich gern auch mal selbst auslacht, ist spätestens nach der Präsentation seines ersten und wohl hoffentlich letzten „Battle Rap Videos“ aus den späten Neunzigern klar.

Nach einer 15-minütigen Pause dreht Olli erst so richtig auf: „Ich hab’ mir grad nen kleinen Whiskey getrunken, JETZT hab‘ ich richtig Bock!“, freut er sich. Denn neben all den Späßen spielt er natürlich seine Songs von seinen drei Alben sowie unveröffentlichtes Material, neuere und ältere, ernste und amüsante. Mitten im Song unterbricht er dann gerne auch nochmal, um eine Anekdote zur jeweiligen Songzeile zum Besten zu geben. So verliert er hin und wieder den Faden, spielt einen falschen Akkord, verhaspelt sich – aber genau dieses Unprätentiöse, Ungeschliffene ist es, was den Charme seiner ganzen Show ausmacht. An den richtigen, wichtigen Stellen ist es ganz still im Saal, und dann kommt wieder der Bruch mit der Ernsthaftigkeit.

Als Musik noch richtig groß war
und wir beide so verliebt
knutschten wir auf meinem Sofa
in meinem Kopf war dieses Lied

Dass die Musik trotz der Schulz‘schen Special Effects nicht zu kurz kommt, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass sich Olli für jede der vier Solo-Shows einen anderen Gast eingeladen hat. Heute ist es die australische Singer-Songwriterin Kat Frankie, die Olli bereits auf seiner Tournee mit Band begleitet hat und auf seinem letzten Album zu hören war. Mit ihrer beeindruckenden Stimme nimmt sie das Publikum in Sekundenschnelle ein. Und Olli Schulz hat selbst so ehrliche Freude daran, ihr zuzuhören, dass er sie nach ihrem Duett überredet, doch bitte noch einen Song solo zu singen und sich währenddessen im Zuschauerraum niederlässt. Der Theatersaal schafft schließlich eine besondere Atmosphäre. Allein schon, weil wirklich niemand hier das halbe Konzert mit seinem Handy aufnimmt.

Sehr unwahrscheinlich also, dass irgendjemandem an diesen Abenden im Theater am Kurfürstendamm auch nur einen Augenblick langweilig geworden ist. Es schafft eben keiner so wie Olli Schulz, im Laufe einer Veranstaltung erst lebhaft von seiner Nervosität bei seinem ersten Hasch-Einkauf zu berichten, im nächsten Moment nachdenklich seine erste große Liebe zu besingen, um sich anschließend wieder über von YouTube-Dokus besessene Verschwörungstheoretiker in Rage zu reden. Er kann eben vieles: Herumblödeln, plaudern, nachdenklich sein, witzige Alltagsbeobachtungen mit den essentiellen Fragen des Lebens verknüpfen. Und das tut er an diesem Freitagabend immerhin ganze drei Stunden lang, so viel Spaß hat er daran.

 

Foto von Oliver Rath.