Read + Listen: New Found Land

In Berlin by Martin

Ungeahntes, Neues zu entdecken, muss nicht immer zwangsweise an Angst und Unsicherheit gebunden sein. Vielmehr steckt darin die Chance, die eigenen Grenzen zu überwinden und sich auf spannende Abenteuer einzulassen – vor allem im musikalischen Sinne. Und das gilt sowohl für Künstler wie auch Konsumenten.

Es ist eine aufregende Zeit, die aktuell auf Anna Roxenholt alias New Found Land zurollt. Nachdem die gebürtige Schwedin 2013 ihr selbst betiteltes Erfolgsalbum „New Found Land“ veröffentlichte, beginnt nun der Promowahnsinn von Neuem, und zwar, um den Nachfolger „Lore“ angemessen zu supporten. Wieder stehen Pressetermine, Fotoshootings, Videodrehs, Konzerte und allerlei andere Dinge auf dem Plan. Auch wir möchten unseren Teil zur Verbreitung der frohen Botschaft leisten und mit dem heutigen Artikel ein paar erste Appetithappen, in Form eines Interviews und einer Ticketverlosung für die Record-Release-Show in Berlin, präsentieren.

Anna, wie geht es dir? Wie genießt du den aufkommenden Frühling in der Hauptstadt?

„Mir geht’s ganz gut, danke. Ich genieße zurzeit die helleren Tage von drinnen, mit viel Arbeit und viel Kaffee. Manchmal mache ich das Fenster auf.“

Seit einigen Jahren lebst du nun bereits in Berlin. Fühlst du dich immer noch fremd hier oder ist die Spreemetropole mittlerweile zu deiner Heimat geworden?

„Es kommt auf die Tagesform an, ob ich mich hier zuhause fühle oder nicht. So geht es mir auch in Göteborg. Auch wenn ich von meinem Äußeren her als Deutsche durchgehen könnte, werde ich mich immer ein bisschen anders fühlen beziehungsweise Sachen anders sehen. In Göteborg ist es mittlerweile auch so. Manchmal fühlt sich das atemberaubend und weltbügerlich an, aber machmal auch nur verwirrend.“

In Zeiten der Flüchtlingskrise wäre es interessant zu erfahren, wie du als Ausländerin über diese Thematik denkst. Meinst du, Deutschland gibt eine gute Willkommensnation ab und wie sieht das in Schweden aus?

„Auf der Flucht zu sein kann man nicht mit einer selbst gewählten Emigration vergleichen, und ich glaube, es ist per se ein großer Unterschied zwischen der Art, wie ich als Schwedin in einer Gesellschaft, die Skandinavien zugewandt ist, aufgenommen werde, und wie es für einen syrischen Flüchtling sein muss, hier ein neues Leben anzufangen.“

Es macht mich irgendwie stolz, dass Deutschland und Schweden so eine große Verantwortung in der Flüchtlingskrise übernommen haben.

„Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass alle anderen Länder auch ihrer Verantwortung gerecht werden würden. Dennoch machen mir alle diese rechtsextremen Winde, die gerade wehen, Angst. Davon sind leider weder Schweden noch Deutschland verschont.“

New Found Land (2)Kann Musik zur Völkerverständigung beitragen? Warum?

„Mögen Berliner Currywurst? Alle kulterellen Tätigkeiten sind wahnsinnig wichtig, um eine demokratische Gesellschaft beizubehalten. Es klingt zwar klicheemäßig, aber die Sprache der Musik ist universell, sie baut Brücken und vereint im Hier und Jetzt. In Kanada machen die es gerade richtig. Mit einem 1.9-Millarden-Dollar-Boost für Kunst und Kultur in den kommenden fünf Jahren. Das ist genau, was wir in diesen Zeiten brauchen. Eine einschließende, vereinende, diskursive Gesellschaft, in der es weniger Gründe für Leute gibt in fanatische Richtungen abzudriften.“

Die Veröffentlichung deines neuen Album „Lore“ steht für Ende Mai auf dem Plan. Inwiefern beschreitest du darauf neue musikalische Wege? Und hast du diese bewusst geplant oder haben sie sich von selbst aufgetan?

„Auf meiner letzten Platte habe ich einen Weg eingeschlagen und setze ihn nun, auf die für mich natürlichste Art, fort. Meine erste Ambition war, dass ich nicht mehr über die gleichen Themen schreiben wollte, nicht mehr so düster. Musikalisch wollte ich weiter in die elektronische Richtung gehen, ohne mich von mein Pop-Songwriting zu weit zu entfernen. Seitdem ich 14 war, wollte ich ‚Musik auf dem Rechner‘ machen können. Es hat nur weitere 20 Jahre gedauert. Ha!“

Textlich hast du dich von alten Mythen und Sagen inspirieren lassen. Wie kam es dazu und was fasziniert dich selbst an diesen?

„Ich war nie ein Geschichtsfreak, sondern immer eher ein Fan der Gegenwart, aber das hat sich irgendwie verändert. Vielleicht hat es mit dem Älterwerden zu tun. Man sucht Perspektiven. Ich bin zum Beispiel total fasziniert vom antiken Ägypten und allem, was die Ägypter damals taten und fühlten. Alles, was wir heute machen, ok, außer dem digitalen Kram, haben Mennschen schon vor 4000 Jahren gemacht oder gefühlt.“

Wie passen alte Geschichten und moderne elektronische Sounds zusammen?

„Sehr gut.“

Zu der Veröffentlichung von „Lore“ hast du auch ein Berlinkonzert angesetzt. Warum war dir dies ein Bedürfnis?

„Es ist einfach ewig her, seitdem ich live gespielt habe und ich wollte deswegen nicht bis zur Releasetour im Herbst warten.“

Was ist besser, als eine neue Platte in einer Berliner Mai-Nacht mit Freunden und Fans feiern zu dürfen?

Wir dürfen besagte Show präsentieren. Wie viel Kultmucke steckt denn in deinen Auftritten?

„Das überlasse ich den Konzertbesuchern.“

Bitte suche ein paar deiner eigenen Songs für eine Playlist aus, die wir diesem Artikel anhängen können.

„’Chateau‘ auf Repeat.“

Wieso nur diesen Track?

„Die anderen Songs sind so alt.“

Dann los!

Listen: New Found Land

Gewinnspiel

Um Tickets für den Auftritt von New Found Land, am 27.05.2016 in der Kantine am Berghain zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „New Found Land“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Freitag, der 29.04.2016. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 2×2 Gästelistenplätze. Bitte nennt euren vollen Vor- und Zunamen in der von euch geschickten Nachricht. Viel Erfolg!