Read + Listen: Wild Beasts

In Berlin by Martin

Genre:

Die Wild Beasts fletschen erneut die Zähne! Nachdem ihr letztes Album „Present Tense“ (2014) mit größtem Feingefühl die Vielschichtigkeit des Synthie-Pops erforschte, suhlt sich der Nachfolger „Boy King“ hingegen ausgiebig in aufgeladenen Disco-Punk-Texturen.

Am Höhepunkt ihrer Karriere überraschen die Wild Beasts mit einem massiven musikalischen Umschwung. Kompromissloser als je zuvor spielen Hayden Thorpe und seine Kollegen dabei mit ihrer eigenen tonalen Identität und enthüllen etliche bisher ungeahnte Charakterzüge des wilden Biestes, das in den Tiefen ihres Songwritings wohnt. Am 20. Oktober werden sie dieser in den Hallen des Kesselhauses der Kulturbrauerei ungebremsten Freilauf gewähren – präsentiert von Kultmucke.
Im Anschluss an ein kurzes Interview mit Frontmann Hayden und einer von ihm kuratierten Playlist verlosen wir entsprechende Gästelistenplätze!

Hayden, es ist eine Weile her, seit wir euch das letzte Mal gesprochen haben. Zu allererst las uns doch bitte wissen, wie es dir geht!

Hayden: „Mir geht es sehr gut. Ein leichte Angst und Übelkeit aufgrund des anstehenden Releases machen sich breit, aber das gehört zu diesem Nervenkitzel dazu.“

Im Oktober werdet ihr nach Berlin zurückkehren, um ein Konzert im Kesselhaus zu spielen. Was gefällt dir an der deutschen Hauptstadt und kannst du den aktuellen Hype um sie nachvollziehen?

Ich kann absolut verstehen, warum Berlin gehypt wird.

Hayden: „Es fühlt sich an, als gründe die Stadt auf einer Anhäufung neuer Ideen und keineswegs auf alten, angestaubten. Ich glaube, elektronische Musik ist der passende Soundtrack für einen solchen Ort. Als Ordnung gegen das Chaos.“

„Boy King“ heißt euer neues Album. Die Platte unterscheidet sich stark von seinen Vorgängern. Klanglich wirkt sie rauer und aggressiver. Wie siehst du das?

Hayden: „Da ist einiges an Furcht und Beklemmung, aber ich sehe diese Gefühle als Zeichen für Mut und ein Wagnis innerhalb unserer Arbeit. Auch Aggression und eine gewisse Schwere lassen sich auf dem Album finden. Für mich ist das der Grund, warum ich denke, dass es bisher unser kraftvollstes Werk ist.“

In unserem letzten Interview baten wir euch darum, jede eurer LPs mit ein oder zwei Wörtern zu beschreiben. Mit welchen kann man „Boy King“ am besten zusammenfassen?

Hayden: „Anrüchiger Surrealismus.“

Im Pressetext zu „Boy King“ beschreibst du die Platte als eine für die Generation Tinder. Warum? Und was denkst du über die technologischen Entwicklungen in unserem Sozialleben?

Hayden: „Ich glaube, ich sehe diese Veränderungen optimistisch. Technische Innovationen sind aus meiner Sicht ein Resultat menschlicher Bedürfnisse, sie unterstützen uns darin, voranschreiten und die Welt entdecken zu wollen. Tinder gibt uns die Autoschlüssel zum Universum und sagt: Das Universum wird dich dorthin bringen, wo auch immer du hinwillst. Mich fasziniert zudem die Kapazität, wie viele verschiedene Identitäten wir in unserem Leben beherbergen können. Alle zur gleichen Zeit. Die virtuelle Welt fungiert dabei als Plattform, auf der wir versteckte Aspekte unserer Psyche zum Ausdruck bringen.“

Genau wie ihr haben auch viele andere Bands mit der Zeit ihren Stil verändert. Fallen dir Positiv- oder Negativbeispiele unter deinen Kollegen ein?

Hayden: „Als Künstler, der ich bin, frustriert mich nichts mehr als Stillstand.“

Ich höre mir lieber eine schöne Niederlage als einen sicheren Erfolg an.

Bald geht es wieder auf Tour. Wie stehst du nach vielen Jahren Karriere dazu?

Hayden: „Persönlich habe ich gelernt, das Touren zu lieben. Nun sättigt es mich mehr, als es irgendetwas anderes je tun könnte. Dieses Aufreiben der Nerven wird langsam zu meiner Nahrung und es scheint gesund für mich zu sein, jede Nacht daraus zu gehen und mich zu offenbaren.“

Wie werdet ihr das neue Material mit euren alten Songs verbinden? Werdet ihr dafür Tracks neu aufbereiten, bevor ihr sie erneut live performt?

Hayden: „Potentiell, ja. Mit Voranschreiten der Zeit muss man Wege finden, zu akzeptieren, wer man war, als man ältere Stücke erschaffen hat. Manchmal spielt man einen Song, den man als Teenager geschrieben hat und spürt keine Verbindung. An anderen Abenden führt dann aber genau derselbe Track dazu, dass du dich plötzlich wieder wie damals fühlst.“

Listen: Wild Beasts

Gewinnspiel

Um Tickets für den Auftritt der Wild Beasts, am 20.10.2016 im Kesselhaus der Kulturbrauerei zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Wild Beasts“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Freitag, der 26.08.2016. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 1×2 Gästelistenplätze. Bitte nennt euren vollen Vor- und Zunamen in der von euch geschickten Nachricht. Viel Erfolg!