Read + Listen: Yalta Club (2)

In Berlin by Martin

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Zum zweiten Mal schicken wir die Herren und die Dame des Yalta Clubs auf die Bühne unserer Hauptstadt und empfangen sie dort mit lautem Applaus, denn wenn eines ohne Zweifel feststeht, dann, dass ein Abend mit der französisch-deutschen Kapelle immer Spaß bereitet. Außergewöhnlich viel Spaß!

Habt ihr euch auch schon einmal gefragt, was das Baby- mit dem Musikmachen zu tun hat? Yalta Club beantworten uns diese und viele weitere spannende Fragen in unserem neusten „Read + Listen“-Feature, das neben einem kurzen Interview auch eine von der Band zusammengestellte auditive Kostprobe sowie eine Verlosung für Gästelistenplätze ihres Konzertes am 02.02.2017 im Privatclub enthält.

Ihr Lieben, mit euch verbindet uns mittlerweile eine lange Freundschaft. Eine rhetorische Frage sei da erlaubt: Was würden wir nur ohne euch tun?

„Wahrscheinlich würdet ihr genauso weitermachen wie bisher. Die Frage ist eher, was wir ohne euch tun würden? Aber wer weiß. Vielleicht wärt ihr ein bisschen traurig, dass ihr keine halb-französische Patchwork-Familie mehr in Paris habt.

Nach ein paar vielversprechenden Vorabsingles und der „Midas“-EP liefert ihr mit „Hybris“ eurer Zweitwerk ab. Wie ist eure eigene Erwartungshaltung an die Veröffentlichung?

„Wir haben uns für das Album sehr viel Zeit gelassen und unglaublich viel Mühe und Herzblut in die Kompositionen, Produktion und die Arrangements gesteckt. Vor allem unsere beiden Produzenten Florent Livet und Pavle Kovasevic haben uns dabei viel geholfen. Daher freuen wir uns jetzt natürlich sehr auf die Veröffentlichung und können es kaum erwarten! Bisher sind schon viele tolle Dinge passiert und wir haben jetzt ein ganz tolles Team, das uns in Deutschland, Frankreich, Schweiz, Österreich und sogar den USA unterstützt! Wir hoffen, dass das Publikum die Emotionen versteht, die wir mit dem Album ausdrücken wollen.“

Wir sprachen bereits beim letzten Mal darüber, dass ihr mit eurem jüngsten Material musikalisch eine neue Richtung eingeschlagen habt. Wie reflektiert ihr diesen Stilwechsel mit etwas Abstand?

„Es stimmt, dass wir uns weiterentwickelt und verändert haben. Das war kein bisschen kalkuliert, sondern ist einfach so gekommen. Wie ihr wisst, schreiben wir immer alle zusammen und die Kompositionen sind in den letzten Jahren einfach anders geworden. Das liegt an mehreren Gründen. Daran, dass unser erster Gitarrist Erwan vor mittlerweile zwei Jahren aus Familiengründen aufgehört hat, daran, dass wir mit immer mehr Sounds und Klängen aus aller Welt experimentiert haben, und vor allem auch daran, dass uns in den letzten Jahren die aktuelle Weltpolitik persönlich noch mehr berührt hat, als dies vorher bereits der Fall war. Alles, was wir erlebt, diskutiert oder gelesen haben, fließt in unsere Lieder mit ein. Das war schon immer so.“

Wir wollten uns von dem etwas zynischen Sarkasmus des ersten Albums trennen und persönlicher, direkter und irgendwie auch integrer in der Musik und in den Texten werden.

„Wir warten schon mit Vorfreude auf eure Kommentare!“

Bilder sind die Sprache vieler Musiker und Songwriter. Welche Bilder verstecken sich auf „Hybris“?

„Wir haben auf unserer EP die Geschichte von Midas erzählt. Ein griechischer Gott, der die Gabe bekommt, alles, was er anfasst, in Gold zu verwandeln. Für uns war das ein Metapher der heutigen Gesellschaft. Sich immer mehr zu wünschen, immer mehr zu wollen und am Ende festzustellen, dass man dadurch zugrunde geht. ‚Hybris‘, was auf Griechisch Maßlosigkeit bedeutet, ist die Fortführung. Eine lange Reise, dicht und melancholisch. Aufgeben, nicht weiter wissen, Widerstand leisten. Unsere neuen Lieder spiegeln diese drei widersprüchlichen und doch nicht inkompatiblen Emotionen wider. Sie sind voller Rastlosigkeit, Selbstreflexion und auch Ausgeglichenheit. Man findet auch Bilder wie das von Teenagern, die mit einem Auto ins Ungewisse rasen, auf dem Album. Oder Ikarus, der sich an der Sonne verbrennt. Die Platte erzählt die Geschichte einer Welt, die noch ein letztes Mal nach allen hedonistischen Freuden greift, bevor es zu spät ist. Sie beschreibt eine Gesellschaft, in der sich die Menschen mit aller Kraft miteinander zu verbinden suchen, sich jedoch der Konsequenzen ihrer eigenen Taten, ihrer Arroganz und ihrer Maßlosigkeit nicht bewusst sind. Das hört sich jetzt alles so negativ an. Manche Lieder beinhalten aber auch optimistische und hoffnungsvolle Seiten, wie zum Beispiel ‚Stars‘.“

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Für die Cover eurer letzten Releases habt ihr euch für ein durchgehendes Designkonzept entschieden, das bei der Umsetzung sicher ordentlich Spaß gemacht haben dürfte, oder?

„Die Artworks zu unserem neuen Material wurden komplett von dem Pariser Studio AKATRE realisiert. Und ja, es hat richtig Spass gemacht. Wir haben uns Gold über den ganzen Kopf geschmiert. Bei dem letzten Promofoto hatten wir dann Argile im ganzen Gesicht und eine sehr schöne weiche Haut danach.“

Ein Album zu entwickeln, daran zu feilen und es irgendwann zu veröffentlichen – das ist ein Prozess, den man als Nichtmusiker nur schwer nachvollziehen kann. Womit würdet ihr das Ganze am ehesten vergleichen?

„Es ist wirklich schwierig, das Nicht-Musikern zu erklären. Wenn wir versuchen, es unseren Familien zu verdeutlichen, braucht es auch immer eine Weile, bis es alle verstanden haben. Man sagt ja oft, dass ein Album wie ein Baby ist. Die Idee, eines zu machen, kommt schnell und macht Spaß. Das Komponieren ist dann sozusagen die Baby-Mach-Phase. Man probiert alles aus und spielt rum. Die Schwangerschaft ist dann wie die Produktion, manchmal cool, manchmal aber auch unglaublich ermüdend. Und die Geburt ist alles rund um den Release. Verbunden mit viel Organisation und einigen Magenschmerzen. Und wenn das Kind dann da ist, ist es zwar wunderschön, aber man schläft nicht mehr und ist vollkommen aufgekratzt. Der Vergleich hinkt vielleicht, aber da drei von uns jetzt schon Eltern geworden sind, dürfen wir ihn uns erlauben.“

Ihr habt es erwähnt, privat gab es einige Veränderungen im Leben vieler eurer Mitglieder. Vor allem, was die Familienplanung angeht. Inwiefern wird das euer Tourleben verändern?

Ja, drei von uns sind ja jetzt schon Eltern mit ganz kleinen Kindern. Wir warten darauf, dass die Kleinen anfangen, Laufen zu lernen, damit wir ihnen Rasseln in die Hand geben und sie als Background-Band einstellen können. Aber so viel ändert sich nicht. Wir sind trotzdem sehr viel unterwegs und nun mehr als einen Monat lang auf Tour. Allerdings versuchen wir, zwischen einzelnen Konzerten immer öfter zurück nach Paris zu fahren.

Wir freuen uns sehr, das Berlinkonzert eurer anstehenden Tour präsentieren zu dürfen. Was macht ihr eigentlich, wenn eine solche Show vorbei ist? Geht es dann direkt ins Bett oder wird noch gefeiert?

„Wir freuen uns auch sehr, dass ihr das Konzert wieder präsentiert!“

Vor jeder Tour sagen wir uns, dass wir mal ein bisschen vernünftiger sein und nach den Konzerten sofort ins Bett gehen müssen, damit wir durchhalten.

„Denn selbst, wenn man nach den Konzerten nicht feiern geht, kommt man mit Abbau, Fahrt etc. nie vor 2:00 Uhr ins Bett und steht am nächsten Tag trotzdem wieder gegen 7:00 Uhr auf, um mit dem Bus in die nächste Stadt zu heizen. Allerdings ist dieser Vorsatz in der Realität schnell vergessen. Es macht so einen Riesenspaß, alle Freunde und Bekannte wiederzusehen, dass wir nach jedem Konzert noch mindestens ein Bierchen trinken. Allerdings kann es auf dieser Tour sein, dass zumindest die neuen Väter einfach im Backstage einpennen.“

Listen: Yalta Club

Gewinnspiel

Um Tickets für den Auftritt von Yalta Club, am 02.02.2017 im Privatclub zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Yalta Club“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Freitag, der 20.01.2017. Unter allen Teilnehmern verlosen wir 1×2 Gästelistenplätze. Bitte nennt euren vollen Vor- und Zunamen in der von euch geschickten Nachricht. Viel Erfolg!