Read + Listen: Yalta Club

In Berlin by Martin

Genre:

Es gilt zusammenzuhalten. Zusammenzuhalten in Tagen, in denen ein düsterer Schatten unsere Erde heimsucht. Schlechte Nachrichten jagen einander wie hungrige Wölfe und die Menschen beginnen, weniger optimistisch in die Zukunft zu blicken. So darf das nicht weitergehen!

Wir möchten uns unsere Lebensfreude beibehalten und auch weiter daran glauben, dass es für alle sich auftürmenden Probleme auch Lösungen gibt. Vielleicht mag es naiv klingen, aber wir sind uns sicher, dass Musik dazu einen wesentlichen Beitrag leisten kann. Umso mehr freuen wir uns, dass sich unsere Lieblingsfranzosen von Yalta Club für den 6. März angekündigt haben. Als Präsentatoren des Konzerts im Badehaus Szimpla und Freunde der Band haben wir dem Sixtett vorab ein paar Fragen gestellt und verlosen Tickets für die Show.

Ihr seid mittlerweile kaum noch aus unserem Kultmucke-Repertoire wegzudenken. Was umtreibt euch dieser Tage? Welche Gedanken beschäftigen euch?

„2015 war für uns ein krasses Jahr. Wir haben sehr viel komponiert, waren immer wieder zu sechst am Meer, um zu schreiben, haben Konzerte gegeben, zum ersten Mal auch in der Schweiz, und haben unser zweites Album fertiggestellt, das Ende 2016 erscheinen wird. Aber das Jahr war auch von so viel Mist überschattet, dass wir uns jetzt vor allem auf 2016 freuen. Wir sind also gerade voller Elan und Vorfreude auf die nächsten Wochen und Monate!“

Eine neue Tour steht an. Worauf freut ihr euch am meisten?

„Auf das Publikum! Und darauf, unser neues Set endlich live zu spielen.“

Es fühlt sich an, als wären wir seit Ewigkeiten nicht mehr in Deutschland gewesen und wir haben total Lust, endlich unser neues Album und die neue Show zu präsentieren!

„Wir freuen uns unheimlich auf Berlin, Hamburg, Köln und München!“

Mit im Programm werdet ihr auch den Song „LOVE“ haben, der so etwas wie eure Verarbeitungsstrategie auf die Terroranschläge in Paris darstellt. Wie habt ihr all diese Geschehnisse erlebt? Und warum ist „LOVE“ genau die richtige Reaktion darauf gewesen?

„Wir waren völlig fertig. Es war so nah an unserer Lebensrealität und hat an Orten stattgefunden, an denen wir oft rumhängen. Und natürlich kennt man mindestens einen, der jemanden kennt, der betroffen ist. Es war irgendwie krass, danach einfach weiter Musik zu machen und in den Alltag zurückzukehren. Aber natürlich ist Weitermachen das einzig Richtige. ‚LOVE‘ haben wir schon vor ein paar Monaten geschrieben, als die Attentate rund um Charlie Hebdo in Paris stattgefunden haben, die sich jetzt jähren. Um all unserer Traurigkeit und unserem Unverständnis gegenüber dieser Tat Ausdruck zu verleihen, haben wir damals dieses naive Lied komponiert, das uns bei den Proben immer wieder zwischen der Lust, zu weinen, und der, zu lachen, hin- und hergerissen hat. Als es dann im November wieder zu Attentaten in Paris kam, war die Zeit gekommen, das Lied zu veröffentlichen und es den Menschen zu schenken. Es geht dabei nicht nur um die Attentate in Paris, sondern um all das, was gerade falsch läuft in der Welt. Wir wollen den Menschen zeigen, dass Musik keine Grenzen, keine Nationalitäten und keine Mauern kennt und dass man auf solche Taten nur mit noch mehr Musik, noch mehr Freundschaft und noch mehr mit „la vie est une fete“ antworten sollte.“

Es dauert nicht mehr lang, da werden wir auch neues Studiomaterial von euch zu hören bekommen. Die ersten Vorboten deuten an, dass es musikalisch in eine komplett neue Richtung gehen könnte. Was erwartet uns?

„Das stimmt, es wird wirklich anders! Wir sind sehr stolz auf dieses zweite Album, weil wir irgendwie das Gefühl haben, musikalisch daran gewachsen zu sein. Es ist immer schwierig, die eigene Musik zu beschreiben, aber es erwartet euch etwas Moderneres, vielleicht majestätischer oder ernster als unser Debüt. Wir haben im letzten Jahr viel James Murphy, Django Django, Damon Albarn, Local Natives und Woodkid gehört. Einflüsse, die man nun vielleicht auch auf unserem neuen Album wiederfinden kann. Außerdem haben wir etliche Samples aus einer riesigen Kollektion von Ethno-Schallplatten aus den 70ern und 80ern verwendet. Was gleich bleibt, dass wir sehr viele Instrumente aus aller Welt benutzt haben und wir es immer noch lieben, auf der Bühne Party zu machen. Dabei haben wir übrigens auch weiterhin den Anspruch, trotz der neuen elektronischeren Produktion, alles live zu spielen und ohne Loops zu arbeiten. Auch die Texte sind tiefergehend.

Wir schreiben jetzt über Sachen, die uns auch im Alltag stark beschäftigen.

‚Exile‘, die erste offizielle Single, dreht sich zum Beispiel um die Tatsache, sein Heimatland verlassen und sich auf eine Reise begeben zu müssen, ohne Sicherheit, wohin sie führt, wann man ankommt und wie es dort weitergeht. Ein anderer Track, ‚The Door‘, spricht von sexueller Gewalt und der Ohnmacht, die viele Opfer verspüren!“

Weshalb ist es aus eurer Sicht wichtig, den eigenen Stil immer wieder neu zu erfinden beziehungsweise anzugleichen?

„Das war bei uns gar nicht kalkuliert. Wir haben mit der Musik einfach nur dem Ausdruck verleihen wollen, wer wir jetzt sind. Irgendwie sind die Stücke einfach so entstanden. Aber wir haben auch hinterfragt, warum wir uns musikalisch verändert haben und wir glauben, dass das zweite Album deshalb ernster und tiefsinniger ist, weil wir in den letzten Monaten sehr nachdenklich geworden sind. Wir sind alle schon länger in verschiedenen Bereichen sozial engagiert und haben auch schon bei unserer ersten Platte über Weltgeschehnisse diskutiert. Aber auf diesem zweiten Album spiegeln sich unsere Fragen, unsere Kritik und unsere Überlegungen irgendwie noch mehr in der Musik wider.“

Listen: Yalta Club

Gewinnspiel

Um abschließend Tickets für das anstehende Konzert von Yalta Club am 06.03.2016 im Badehaus Szimpla zu gewinnen, schickt einfach eine Mail mit dem Betreff „Yalta Club“ an martin@kultmucke.de. Einsendeschluss ist Dienstag, der 23.02.2016. Unter allen Teilnehmern verlosen wir insgesamt 1×2 Gästelistenplätze. Bitte nennt euren vollen Vor- und Zunamen in der geschickten Nachricht. Viel Erfolg!