Serien und ihre Soundtracks

In Lifestyle by Nicol

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Oftmals dient die Musik lediglich als Beiwerk von flimmernden Serien, die in den Streamingdiensten nach verzechten Nächten regelrecht aufgesaugt werden. Man lässt sich berieseln von amerikanischen Familiendramen und schrägen Gangsterepisoden. Die musikalische Untermalung findet dabei nur selten Betrachtung. Dies wollen wir mit unserer heutigen Kultmische ändern und geben euch einen kleinen Einblick in allseits bekannte Serienlieblinge und ihre viel zu wenig beachteten Soundtracks. Play gedrückt und reingehört! 

Los geht’s mit Tom Waits und seinem Song „Way Down In The Whole“, der in jeder Staffel der US-amerikanischen Fernsehserie „The Wire“ auf ganz unterschiedliche Art und Weise auf’s Neue interpretiert wird. Die Serie des einstigen Polizei-Journalisten David Simon behandelt soziale, politische und ökonomische Themen rund um das Polizei-Department Baltimores stets tiefgreifend. Mit der Auswahl der diversen Interpreten des Soundtracks beweisen die Macher auch in Sachen Musik, Geschmack und Expertise – Von The Blind Boys of Alabama, die Neville Brother über Steve Earle bis hinzu Tom Waits selbst.

Der Name der nächsten Band passt ganz wunderbar zum Protagonisten der Serie „Breaking Bad“: Badfinger – Eine amerikanische Pop-Rock Band aus den 60ern, die zu Unrecht als Karikatur der Beatles bezeichnet wurde. Sicherlich wussten Badfinger im Jahre 1972 noch nicht, dass ihr Song „Baby Blue“ irgendwann als Ode an das blaue Gold aus dem absurden und zugleich genialen amerikanischen Drama, über das aus dem Fugen geratene Leben eines an Krebs erkrankten Chemielehrers, dient. Genauso abstrus wie die Geschichte ist auch der dafür gewählte Soundtrack – der zunächst wie ein schnödes Liebeslied wirkt, dann jedoch der Serie einen wunderbaren musikalischen Rahmen gibt und ihre Genialität ganzheitlich vollendet.

Nahezu laienhaft scheint der Song „Little Boxes“, der im Jahre 1962 auf den Straßen einer stereotypisch amerikanischen Kleinstadt entstanden ist. Malvina Reynolds, Liedermacherin und Politaktivistin, karikiert damit die Konformität der amerikanischen Mittelschicht. Wie kleine Boxen reihen sich die akurat gepflegten Häuser aneinander. Die Nachbarn spielen sich gegenseitig das Leben in einer heilen Welt vor und wagen es nicht, an der Oberfläche ihrer kleinen heuchlerischen Welt zu kratzen. Keinen passenderen Song hätte es geben können für die Serie „Weeds“ – die eben dieses Leben einer amerikanischen Vorstadt aufgreift und für einen überraschenden Einblick in den Alltag der zweifachen Mutter, Hausfrau, Witwe und Drogendealerin, Nancy Botwin, bietet.

Wir bleiben bei einer US-amerikanischen Fernsehserie: „Mad Men“, deren Titel für „Men of Madison Avenue“ steht und quasi als (selbst)ironisches Synonym für die Kreativen der Werbebranche in New York gilt. Das Ende der siebten Staffel wird untermalt von Vanilla Fudge und ihrem Cover von „You Keep Me Hangin’ On“ – jeder Song am Ende einer Episode der authentisch und detailtreuen Serie scheint wie ein musikalisches Synonym der jeweiligen Szene und hätte nicht besser gewählt werden können.

Mindestens genauso gelungen scheint das von Sia gehauchte „Breathe Me“, welches den melodischen Abschluss der dramatischen Familensaga „Six Feet Under“ einstimmt. Bei der Wahl zum finalen Soundtrack der Serie konkurrierte die australische Sängerin mit Größen wie Iron & Wine. Doch der Untergang des Fisher-Klans sollte auch auf musikalische Weise poetisch und ergreifend zugleich sein und so viel die Entscheidung auf die Australierin.

Den Ausreißer unserer Serienauswahl bildet das Gangster-Epos „Peaky Blinders“, eine Serie, die ausnahmsweise nicht aus den U.S. of A. stammt. Das britische Historiendrama hat laut Kritiken durchaus schlechte sowie gute Momente: „In guten Momenten ist diese Serie so etwas wie ‚Downton Abbey‘ aus dem Slum. In schlechten ist sie immer noch ein cooles Musikvideo“, so heißt es in der FAZ. Mit der richtigen Musik ist jedoch alles cool und somit auch „Peaky Blinders“ – denn hier reitet der Gangsterboss im Takt der Musik von Nick Cave & The Bad Seeds durch das Elendsviertel Small Heath. Doch auch Tom Waits und die White Stripes reihen sich in die Soundtrackliste des britischen Epochendramas ein. Hier steht eben ausnahmsweise die Musik im Vordergrund und weniger die Filmkunst. Bei all den Dramen wollen wir zu guter Letzt einen Serienheld aus guten alten Zeiten tanzen lassen und zeitgleich eure Erinnerungen an eure eigenen Serienlieblinge: Bühne frei für den „Prince of Bel Air“ – dessen Serie nicht vieler Worte bedarf.