Kultverdächtig: The BackBox Ballroom

In Musik von Gastautor

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Ab in den Plattenladen. Von den Postern an den Wänden lächeln uns bekannte Gesichter entgegen und werben für ihre neusten Veröffentlichungen. Laut, farbenfroh und unumgänglich für das Auge. Pappaufsteller preisen wiederum aktuelle Alben jener Künstler an, die momentan als besonders hip und trendy gelten. Unbeeindruckt schweift unser Blick jedoch weiter, vorbei an den werbewirksam drapierten Bestsellern, hin zu einer kleinen, unscheinbaren Pappkiste am Boden. Einmal hingekniet beginnt auch schon das Wühlen nach interessanten Tonträgern, die ohne die Hilfe großer Marketingstrategien, allein durch das überzeugen können, was sich auf ihnen befindet. Wir greifen zu. „Kultverdächtig“, die Rubrik mit dem Herz für weitestgehend noch unentdeckte Talente, widmet sich heute: Den Retroliebhabern von The BackBox Ballroom.

Jane & John Doe

The Backbox BallroomWas bedeutet Musik für euch?

Ziemlich viel. Da geht es ja mehr oder weniger ums Überleben. Und das nicht im Sinne von Geld verdienen, sondern einfach nur darum, den Tag zu überstehen.

The Backbox Ballroom, das sind eine Lady und ein Kerl. Wer nun konkrete Namen hören möchte, den lässt das Duo aus dem Südwesten Deutschlands getrost gegen eine Wand fahren. Gegen eine Wand aus Retroklängen mit rockigem Einschlag und ungeschliffenem, natürlichem Charakter. Denn schlussendlich geht es doch um die Musik und nicht die Personen dahinter, oder? Wir versuchen dennoch, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und dabei in jenen kaleidoskopartigen Nebel einzudringen, der The BackBox Ballroom umgibt. Schon bevor die Zwei im Jahre 2010 zueinanderfanden, waren sie bereits getrennt voneinander musikalisch aktiv gewesen. Laut eigenen Aussagen sei dies aber nicht weiter erwähnenswert. Er spielte in einer Heavy-Blues-Band und sie war die Stimme einer Formation, die dringend einen Gitarristen suchte. Wer nun eins und eins zusammenzählen kann, der weiß bereits, woher sich die beiden kennen.

„Wir suchten einen Leadgitarristen und schon war er in der Band. Dann haben wir recht schnell festgestellt, dass wir musikalisch ziemlich ähnliche Vorstellungen haben. Irgendwie hat sich das dann so entwickelt, dass wir oft zu zweit Musik gemacht haben. Und ja… Bier und Wein… und dann stand das Projekt irgendwann.“

Wie sich das beschriebene Projekt anhört, zeigt uns zum Einstand der Song „I Got A Baby“.

Ihr bezeichnet eure Musik als Gritty Motorcity Rock’n’Roll. Was ist das für ein Genre und weshalb seht ihr euch dort am ehesten?

„Wir fanden, dass diese Begriffe am ehesten beschreiben, was wir machen. Gritty bezieht sich auf unseren Sound, Motorcity auf unseren Stil. Motown, MC5 und so. Und Rock’n’Roll brauchen wir ja nicht zu erläutern.“

Kratzige Gitarrenriffs und die Rebeisenstimme der Lady machen den markanten Klang von The BackBox Ballroom aus. Da ist nichts glatt gebügelt, nichts geschönt. Als Inspirationsquelle dient dem Duo eine bunte Palette, die von alten Soul- und Rock-Ikonen wie den Supremes oder Beatles bis hin zu zeitgenössischen Vertretern des Psychedelic Rocks, mit Namen Tame Impala oder The Black Keys, reicht. Was sie machen, machen The BackBox Ballroom mit absoluter Hingabe. Schon früh stand für den weiblichen Teil unserer beiden Inkognito-Talente fest, dass ihre Zukunft unweigerlich in eine musikalische Richtung führen würde.

„Ich hatte keine Wahl. Bei uns zu Hause liefen rund um die Uhr der Oldie-Sender im Radio und die Hitparade im Fernsehen. Da musste ich mich für eins entscheiden. Ich bin schon froh, dass ich da eher bei den Oldies hängen geblieben bin.“

Er hingegen brauchte für jene Erkenntnis etwas länger. Aber es wird den Herren der Schöpfung ja allgemein gern öfter nachgesagt, dass sie entwicklungstechnisch dem weiblichen Geschlecht immer etwas hinterherhinken würden.

„Ich habe eigentlich recht spät angefangen, Musik zu machen. Durchs Skateboarden bin ich zum Rock’n’Roll und zum Blues gekommen. Mit 16 habe ich dann mal eine Gitarre in die Hand genommen. Hat mir ganz gut gestanden.“

The BackBox Ballroom

Nachdem ein gemeinsamer Bandname gefunden war, man ließ sich dabei vor allem vom Flair der Swinging Sixties beeinflussen, machten sich die Lady und der Kerl auf den Weg ins Studio, um dort ihre Songideen weiterzuentwickeln und aus ihnen eine komplette LP zu stricken. Ein ganzes Jahr lang arbeitete die Band zusammen mit ihrem Produzenten an der Verwirklichung dieser. Alle Instrumente wurden dabei selbst eingespielt und werden nur bei Liveauftritten an befreundete Musiker ausgeliehen, um den Geist ihres selbst betitelten Debüts „The BackBox Ballroom“ authentisch auf die Bühne transportieren zu können.

Sie: „Zu zweit ist das alles auf der Bühne natürlich schwierig umzusetzen. Und da wir großen Wert auf unseren Sound legen, haben wir uns für live eine Band zusammengestellt, die uns den Rücken stärkt.“

Er: „Beim Touren hängt man ziemlich viel aufeinander und uns war klar, dass wir nicht mit irgendwelchen Leuten zusammenarbeiten und rumziehen wollen. Wir haben uns unsere Band deshalb aus guten Freunden und Leuten, die mittlerweile unsere Freunde sind, zusammengestellt.“

Um wie alle anderen „Kultverdächtig“-Artists ein exklusives Cover aufzunehmen, verließen sich The BackBox Ballroom hingegen wieder ganz auf sich selbst. Sie wählten den Cream-Klassiker „Sunshine Of Your Love“, um diesen auf ihre ganz eigene Art und Weise zu interpretieren. Die Idee, sich dem Track einer anderen Band anzunehmen, geisterte schon länger in den Köpfen von The BackBox Ballroom herum. Wir gaben ihnen nun den perfekten Anlass, jenen Gedanken auch einmal in die Tat umzusetzen.

Wieso habt ihr euch denn für „Sunshine Of Your Love“ entschieden?

„Das ist unser erster Coversong. Vor ein paar Monaten haben wir uns schon einmal darüber unterhalten, einen zu machen. Da kamen zwei, drei Vorschläge, darunter eben ‚Sunshine Of Your Love‘. Wir haben ihn genommen, weil das ein hammer Song ist. Dann haben wir uns hingesetzt und hatten direkt diese Idee. Eingespielt, angehört, glücklich. Wenn’s so schnell geht, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass es der richtige Song ist. Deswegen haben wir uns mit den anderen gar nicht mehr beschäftigt.“

Ebenso rotzig und rau wie diese wirklich großartige Aufnahme, präsentiert sich auch das bereits erwähnte Debütalbum „The BackBox Ballroom“, das die Band übrigens eine Zeit lang in ausgewählten Plattenläden verschenkte und auch auf ihrer Website zum kostenlosen Download anbot. Insgesamt elf Stücke, wobei sich das letzte, wie sollte es bei diesen Geheimniskrämern auch anders sein, weit nach dem Ende von „Taking Of At 8 Pm“ versteckt hat, zeugen von musikalischer Originalität fern des Massengeschmacks. Oft klingt da, nicht zuletzt aufgrund der weiblichen Leadstimme, ein Hauch von Juliette Lewis und ihren Licks mit. Ebenso grob und vermeintlich in Whisky getränkt.

Wir stempeln das jetzt einfach mal als Kompliment ab.

Album Cover the BackBox BallroomDas dürfen The BackBox Ballroom tatsächlich gerne tun. Denn auch wenn dieser Vergleich sich bei dem einen oder anderen Hörer vielleicht aufdrängen mag, kann man hier keineswegs von einem Abklatsch oder gar einer Kopie sprechen. Im Gegenteil. The BackBox Ballroom beweisen bereits auf ihrer ersten Veröffentlichung einen sehr reifen, erfahrenen Sound, der immer wieder Fahrt aufnimmt und jegliche Langeweile in ihre Schranken verweist. Ertönen Nummern wie das funkige „Gimme Shelter“ oder der massive Album-Opener „Cigarettes & Dice“, hält es nur noch die Menschen ruhig, die auch bei einem verheerenden Tornado von einem lauen Lüftchen sprechen würden. Alle anderen springen bereits lebhaft durch die Gegend. Nichts anderes passiert auch bei „No One“. Der Song erzählt die Geschichte eines Mädchens, welches sich in einen Jungen verliebt hat, anschließend jedoch von der Fülle der neuartigen, positiven Gefühle und der sich aufdrängenden Ungewissheit in Bezug auf die Zukunft so überfordert ist, dass sie sich selbst ein bisschen im Weg steht.

Um welche Themen dreht sich euer Debüt „The BackBox Ballroom“ generell?

Sie: „Die Platte ist in einer Phase entstanden, in der ich mich selbst noch mal finden musste und in der es in relativ kurzer Zeit ziemlich viele Veränderungen in meinem Leben gab. Ich verarbeite eine innere Zerrissenheit zwischen längst Abgeschriebenem, an dem man zu gerne trotzdem noch festhält, und etwas ganz Neuem, das zwar risikoreicher ist, aber dich wahrscheinlich viel glücklicher macht als all das davor. Das musste ich aber erst einmal kapieren. Der Weg zu dieser Erkenntnis wird sozusagen auf dem Album dokumentiert. Nichtsdestotrotz ist die Platte aber nicht nur autobiografisch. Klar spielen die ganzen Erfahrungen und Umstände eine Rolle, trotzdem sollte man dabei nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.“

Es steckt also einiges an Herzblut, vor allem aber auch eine große Portion Authentizität in den Songs von The BackBox Ballroom. Und das macht auch „Cruel“ zu einem wunderbar mitreißenden Wunderwerk.

Welche Story verbirgt sich denn hinter dem Track?

Sie: „‚Cruel‘ ist sozusagen der Schlüsselsong des Albums. Auf die Geschichte der Platte bezogen, ist ‚Cruel‘ der Punkt, an dem die Hauptfigur endlich weiß, was sie will. Ich persönlich möchte mich mit dem Song bei all denen entschuldigen, die ich vorher ungewollt verletzt habe.“

Wenn man das Video zu „Cruel“ betrachtet, dann fällt der Vintage-Schleier auf, der sich wie ein Film über die verschwommenen Einzelbilder gelegt hat. Generell zieht sich ein sehr präsenter, violett-pinker Retrocharme durch den visuellen Auftritt von The BackBox Ballroom. Seien es die Presspics, das Albumcover oder die von der Band bei Facebook geposteten Beiträge, nichts ist gewöhnlich, sondern immer wie durch den Instagram-Filter betrachtet, hinter dem die Lady und der Kerl ihre Identität verzerren können.

Warum ist das so?

Er: „Im Endeffekt steckt gar nicht so viel dahinter, wie man vielleicht vermutet. Wir haben zwar eine Vorliebe für diesen speziellen Stil, der sich wie ein roter Faden durch unser Erscheinungsbild zieht, folgen diesem Faden aber recht intuitiv und gar nicht so bedacht. Im Prinzip genau wie bei unserer Musik.“

Und wieso bleibt ihr dabei selbst im Verborgenen?

Er: „Weil wir das so wollen. Nein, in erster Linie geht es dabei eben nicht nur um uns. Wir finden Bandfotos, wie man sie so kennt, eigentlich schon immer sehr langweilig. Wir wollen auf unseren Fotos nicht nur zwei Personen zeigen, die es dann anzuschauen gilt. Viel wichtiger ist uns die gesamte Komposition. Das ist wie mit einem Song. Ich will ja auch nicht nur ein Riff präsentieren, sondern achte darauf, dass das alles zusammen ein schönes Bild ergibt.“

The Backbox Ballroom2

Schön anzusehen und anzuhören ist das Ergebnis allemal. Und irgendwie ist es doch auch interessant, wenn man auf der Straße, ohne es zu wissen, vielleicht die Wege genau jener unscheinbaren Personen kreuzt, deren Musik man gerade im Ohr hat.

Kultverdächtig

Bei einer Band, die ein Komplettpaket wie das von The BackBox Ballroom auf die Beine gestellt hat, lohnt es sich auf jeden Fall, sich einmal genauer mit ihr zu beschäftigen. Tut man das, verliebt man sich recht schnell in den bunten Feingeist des Duos. Sie und er, die Lady und der Kerl, das Mädchen und der Junge mit der Gitarre oder einfach nur Jane und John Doe, The BackBox Ballroom geben uns ein Rätsel auf, das nur derjenige lösen kann, der es sich wagt, auf herkömmliche Erklärungsversuche zu verzichten.

Verlosung

Wer nun neugierig geworden ist, dem bieten wir mit der heutigen Verlosung eine ganz besondere akustische Köstlichkeit an. Und zwar habt ihr die Möglichkeit, eins von insgesamt fünf handsignierten Exemplaren des Debüts von „The BackBox Ballroom“ zu gewinnen. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist eine Mail mit dem Betreff „The BackBox Ballroom“ an martin@kultmucke.de zu schicken. Bis kommenden Montag, den 20.05.2013., habt ihr Zeit dazu. Unter allen Teilnehmer werden im Anschluss zufällig fünf Gewinner ausgewählt und per Mail benachrichtigt.

Interessante Links

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Offizielle Website von The BackBox Ballroom

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