Verwunschene Wiegenlieder für Erwachsene von der Dänin Agnes Obel

In Musik by Martin

Genre:

Es war einmal ein junges Mädchen, das in einem sehr musikalischen Elternhaus aufwuchs. Agnes, so ihr Name, war von jeher fasziniert von dem Familienpiano, das sich in einem der Zimmer ihres Zuhauses befand. Als würde ein unsichtbares Band an ihr ziehen, setzte sie sich so wieder und wieder auf den Schemel vor dem Instrument und ließ die Finger über die Tasten gleiten. Später ganz gezielt unter der Anleitung eines Lehres, der der kleinen Agnes jedoch mehrfach zu verstehen gab, sie solle nur die Dinge spielen, die sich für sie richtig anfühlten. Und das tat sie. Den Arrangements des schwedischen Jazz-Pianisten Jan Johansson widmete Agnes dabei vorrangig ihre Aufmerksamkeit, bis sie schließlich in einer Schülerband eine ganz andere Art von Musik kennenlernte. Als Sängerin und Bassgitaristin übte sich die Heranwachsende und erlangte dadurch eine sehr umfassende musikalische Bildung. Doch irgendwann war ihr das nicht mehr genug. Während eines Besuchs in Berlin verliebte sich die ursprünglich aus Kopenhagen stammende Agnes in die Stadt und sah dort zahlreiche neue Möglichkeiten für sich liegen. Also zog sie schließlich im Jahre 2005 in die Spreemetropole und veröffentlichte bereits vier Jahre später ihr erstes Solo-Album. „Philarmonics“ wurde zum gefeierten Glanzstück moderner Songwriterkunst. Der Track „Just So“ erlangte durch die Verwendung in einer Werbung eines bekannten Mobilfunk-Anbieters große Bekanntheit, wohingegen „Down By The Riverside“ vor allem in amerikanischen Serien wie „Grey’s Anatomy“ oder „Revenge“ seinen Platz fand. Nun ist Agnes Obel mit ihrer neuen Werk „Aventine“ zurück.

„Chord Left“ eröffnet schwermütig und geheimnisvoll die neue Platte der attraktiven Dänin und schleicht sich behutsam in das Unterbewusstsein des Hörers ein, wo es einen ersten Anstoß gibt, der sämtliche Zellen in Aufruhe versetzt. Gebannt, ja geradezu gefesselt, wartet man so auf das Kommende und das ist in diesem speziellen Fall der Nachfolgetrack „Fuel To Fire“, innerhalb dessen zum ersten Mal die eindringliche Stimme Agnes Obels erklingt. Wie ein schwach schimmernder Funken entzündet diese ein wahres Feuerwerk, das die akustische Nacht erhellt, die „Aventine“ umgibt. In der Folge werden karge Klanggerüste von Songs wie dem trüben „Dorian“ oder „Run Cried The Calling“ erleuchtet, die wie die Knochen großer Fabelwesen in den Boden gerammt, eine magische Schönheit ausstrahlen. Wo Tod ist war einst Leben und dieses wälzt sich im Hintergrund der Tracks durch die Ewigkeit. Mal verträumt („Pass Them By“, „Words Are Dead“), dann wieder klar wie ein eisiger Wassertropfen an einem Frühlingsmorgen („Tokka“) beträufeln die elf Stücke der Platte die Seele. „Aventine“ stellt sich nicht nur als eine würdige Weiterentwicklung des Debüts „Philharmonics“ von Agnes Obel heraus, es ist darüber hinaus auch gleichzeitig ein Zeugnis für das beinahe übernatürliche Talent der Künstlerin. Dem Schöpfungsgeist war man selten näher als in jenen Momenten, in denen beispielsweise „The Curse“ wellenartig durch Zeit und Raum erschallt. Wer sich immer einmal danach sehnte, in längst vergangene Tage zurückkehren zu können und sich in deren Zauber zu verlieren, der möge nun mit „Aventine“ den Sprung in die Gedankenflucht wagen. Schon findet man sich schnell wandelnd unter den Pinienalleen des alten Griechenlands wieder oder schmausend an der langen Tafel eines Renaissance-Schlosses. Ob beim titelgebenden „Aventine“ oder dem düster schnarrenden „Fivefold“, für jede mentale Seifenblase findet sich ein Aufwind, mit dem sie entfliegen kann.

Steckbrief

Künstler: Agnes Obel

Musiklabel: PIAS

Veröffentlichung: 27.09.2013

Mucke:  Chamber Pop, Singer Songwriter, Folk

Hitverdächtig: “The Curse”, “Aventine”, „Dorian“

Klingt nach: Einem Spaziergang durch den Schnee, warm eingepackt in die Schichten zahlreicher Kleider, während die Kälte auf dem unbedeckten Gesicht brennt. Agnes Obels zweites Album „Aventine“ greift den Charme ihres Erstlingswerkes „Philharmonics“ auf und ergänzt ihn durch eine ausgereifte Schwermut, die doch gleichzeitig voller Hoffnung zu stecken scheint. Knisternd, sanft, ergreifend. So avanciert die Platte zu einer wahren Perle des Chamber Pops und gehört in jedes gut sortierte Musikregal.

Tanzbar? Umschlungen in trauter Zweisamkeit und im Walzerschritt dahingleitend, so bewegt man sich zu den elf Stücken auf Agnes Obels „Aventine“. Elegant und anmutig.

Kult: Zu einer Zeit, in der alle Welt mit offenen Armen der elektronischen Musik entgegenrennt, ist es schön zu sehen und vor allem zu hören, dass es einige widerspenstige Gemüter gibt, die mit verschränkten Armen ihre Zuflucht zwischen klassischen Instrumenten wie Klavier, Geige und Cello suchen. Die erschaffenen Kompositionen frönen der Herrlichkeit jener seltenen Klänge und bilden die Verschmelzung von Vergangenheit und Gegenwart ab. Gegen den Strich zu bürsten und anschließend Harmonien zu flechten, die nach dem ganz eigenen Wohlfühlgeschmack sind, ist definitiv kultig, wenn man ein solch modernes Wort für jene Nostalgieverliebtheit bemühen mag.

Gewinnspiel

Abbildung-Agnes-Obel-TascheStatt wie sonst das vorgestellte Album zu verlosen, halten wir heute eine kleine Besonderheit für euch bereit. Und zwar bieten wir allen, die bis spätestens kommenden Donnerstag, den 03.10.2013, eine Mail mit dem Betreff „Agnes Obel“ an martin@kultmucke.de geschickt haben, die Chance auf einen wunderschön schlichten Jutebeutel, der mit den Initialen der dänischen Sängerin und dem Albumtitel „Aventine“ bedruckt ist. Ein wunderbares Statement, um in den Straßen Berlins auf diese großartige Platte aufmerksam zu machen.