Warpaint – mit neuer Kriegsbemalung im Heimathafen

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„Love Is To Die, Love Is To Dance“ – unter diesem Motto spielten sich die vier Mädels der kalifornischen Band Warpaint, mithilfe ihrer psychedelischen Sounds, durch den Abend und in die Gehörgänge des Publikums im Heimathafen Neukölln. Warpaint, das sind Emily Kokal, Jenny Lee Lindberg, Stella Mozgawa und Theresa Wayman. 2010 kletterten die vier Damen dank ihres Debüts „The Fool“ auf die  hohe Spitze des musikalischen Eisberges und kehren nun mit neuen Songs des im Frühjahr 2014 erscheinenden zweiten Albums zurück. 

Rar haben sich Warpaint in den letzten zwei Jahren ihrer Laufbahn gemacht. Mal hier und da ein paar kleinere Festival-Konzerte gespielt, auf denen ihre Fans immer sehnsüchtig auf neue Tracks der Band hofften, jedoch stets vergeblich. Das lange Warten hat sich aber offenbar gelohnt, denn das Quartett ist nun in altbekannter Manier und Entspanntheit wieder zurück auf der Bühne, da wo es sich von jeher am wohlsten fühlt. Kurz vor dem Konzertbeginn am Mittwoch, den 06.11., sah man vor den Toren des Berliner Heimathafens ein Meer aus Schildern und hörte marktschreierähnliche, laute Stimmen, die verzweifelt noch Karten für diesen Abend suchten – denn dieses exklusive Konzert war restlos ausverkauft. Der eine oder andere Kenner entdeckte derweilen die Drummerin Stella beim Falafel essen, die zwischen den Scharen an Wartenden kaum noch auffiel. Einmal drinnen angekommen, dröhnte bereits der Sound vom Support „The Dope“ durch die Halle, die aufgrund des altbekannten Problems, nämlich einem viel zu lauten Sound, nicht ganz in das warpaint’sche Schema zu passen scheinte.

Die vier Mädels mögen es spät und so starteten sie ihr Set kurz nach 22 Uhr mit einem ihrer neuen Songs, „Keep It Healthy“. Natürlich sind neue Sachen immer ein Wagnis, dennoch wirkten die Vier lässig wie eh und je. Nach einer guten halben Stunde gab es immer noch zahlreiche müde Köpfe im Publikum, die sich scheinbar nie zu bewegen schienen. Das bemerkte auch Gitarristin und Sängerin Theresa Wayman und startete bei „No Way Out“ die Initiative, die Masse etwas zu animieren, scheiterte leider jedoch kläglich. Man muss sie schon einige Male live erlebt haben, um sie zu verstehen. Anfangs ist es sicher manchmal schwer in ihren Groove zu kommen, denn Warpaint sind mit Leib und Seele Musikerinnen, die sich nicht auf das Reden, sondern eher auf das Musizieren konzentrieren. Eine ganz besondere und lang andauernde Freundschaft verbindet die Frauen miteinander, die auch auf der Bühne stark miteinander agierten und immer mehr in ihre Musik einzutauchen schienen. Bis sie irgendwann in eine regelrechte Trance versunken waren. Eine spektakuläre Lichtshow und ausführliche Stories zu ihren Tracks blieben Mangelware, aber genau das braucht die Musik der vier Damen eben auch nicht. Damit schien manch ein Zuhörer an jenem Abend sichtlich überfordert.

Nach Klassikern wie „Bees“, „Composure“ und „Undertow“ packten sie dann auch die neuen Leckerbissen wie „No Way Out“ und die aktuelle Single-Auskopplung „Love Is To Die“ aus, die durch die wabernden Drums und fließenden Vocalparts auch allmälich in die Beine des Publikums vordrangen. Emily Kokal, bei „The Fool“ noch an erster Stelle der Gesangsreihe stehend, tritt nun mit dem zweiten Album etwas in den Background und lässt ihrer Kollegin Theresa Wayman bei den Vocals den Vortritt.

Mit neuer Kriegsfarbe im Gesicht ließen Warpaint all die Erwartungen an die kommende Platte noch höher wachsen und meisterten den Abend im Heimathafen mit einer charmanten Ehrlichkeit, so wie man sie von Emily, Theresa, Jenny und Stella gewohnt ist und wofür man sie lieben gelernt hat.