Warum in den Club? – Ein Klärungsversuch

In Berlin by Fräulein Dicht

BERLINER LEBENSGESCHICHTEN
– FIKTION TRIFFT AUF DAS REALE LEBEN ODER UMGEKEHRT?

Letztens verschlug es Fräulein Dicht mal wieder in einen Club. Doch dieser war völlig überfüllt und statt zu tanzen, stand sie leider meistens in der Warteschlange. Sie begann sich zu fragen: Wozu überhaupt das Ganze?

Ich wartete bereits das zweite Mal an diesem Abend seit über 20 Minuten an der Toilette, die Leute drängelten von hinten und drückten mir ihre Ellbogen in die Seite. Ich fragte mich, was ich hier eigentlich machte. Ich war genervt und meine Stimmung, die ich mir zuhause beim Vorglühen mühsam angetrunken hatte, sank immer mehr. Der volle Club, anstehen, verdreckte Toiletten und teure Getränke – all das ging mir gerade tierisch auf den Zeiger. Sogar die Musik, wegen der ich doch eigentlich gekommen war, nervte mich in diesem Moment.
Und während ich im Schneckentempo voranrückte, verfinsterte sich meine Laune immer mehr. Warum haben die denn hier auch nur zwei Toilettenkabinen?! In einem Club, in dem klar ist, dass die Leute nicht nur zum Pinkeln auf’s Klo gehen. Zum Leidwesen all derer, die wirklich müssen – mich eingeschlossen. Ich traute mich kaum mehr etwas zu trinken, weil ich Angst hatte, wieder ewig anstehen zu müssen. Dabei hätte der Alkohol das Ganze hier auf jeden Fall erträglicher gemacht.

Ein Club macht eben nur berauscht so richtig Spaß. Bist du nicht betrunken oder sonst irgendwie dicht, fällt dir auf, wie kacke es eigentlich ist. Warst du schon mal nüchtern in einem Club? Nein? Klar, weil du nüchtern gar nicht auf die Idee kommen würdest, dorthin zu gehen. Ich habe es trotzdem zweimal versucht: Einmal bin ich nach einer Stunde wieder gegangen und das zweite Mal war ich nach einer Stunde nicht mehr nüchtern.
Gedankenversunken merkte ich nicht, wie sich zwei Mädels heimlich an mir vorbeidrängelten und die nächste Toilette besetzten, die eigentlich mir zugestanden hätte. Als ich empört protestieren wollte, tippte mir jemand auf die Schulter. Es war eine Freundin von mir. Sie fragte mich, ob sie mit mir auf die Toilette gehen dürfe. „Kein Problem!“, antwortete ich und endlich waren wir an der Reihe.
Sie musste gar nicht pinkeln und als wir nach einer Weile endlich aus der Kabine purzelten, hatte sich meine Laune schlagartig verbessert. Beim Rausgehen grinste ich die Leute in der Schlange selbstvergessen an. Es wurde dann doch noch ein guter Abend.

Positiv ausgedrückt könnte man die Frage „Warum in den Club?“ also wie folgt beantworten: Die Freude am Rausch, guter Musik, gemeinsam tanzen und natürlich auch, um jemanden aufzureißen (dazu an anderer Stelle einmal mehr). Wäre ich allerdings zynisch, würde meine Antwort so lauten: Alkohol, MDMA, Speed und Koks.

Deichkind feat. Sarah Walker – Ich betäube mich