Was steckt hinter der Critical Mass-Bewegung?

In Berlinby Joseph

In vielen Städten weltweit finden sich einmal im Monat tausende Fahrradfahrer zusammen und radeln im Verbund durch die Straßen. Wir erklären, was es damit auf sich hat und welche Beweggründe die Bewegung verfolgt.

Musik, Fahrradklingeln, glückliche Fahrrad- und genervte Autofahrer. Ungefähr so laufen die Critical Mass-Touren in Deutschlands Innenstädten ab. In vielen Städten treffen sich die Teilnehmer mehrmals im Jahr zu den gemeinsamen Fahrradtouren.

Für mehr Akzeptanz im Straßenverkehr

Die Critical Mass-Bewegung agiert weltweit und setzt sich für eine höhere Akzeptanz des Individualverkehrs in Städten ein. Es handelt sich um eine Form der direkten Aktion, bei der sich mehrere Fahrradfahrer scheinbar unorganisiert treffen und im Verbund durch Innenstädte radeln. Ziel ist es, durch die bloße Masse an Teilnehmern und das konzentrierte Auftreten von Fahrradfahrern auf den Radverkehr aufmerksam zu machen und sich so für eine verbesserte Infrastruktur, Flächennutzung und mehr Akzeptanz auf der Straße einzusetzen. Typisch für die Bewegung ist die Nicht-Organisation, das heißt: Es gibt keinen Verantwortlichen oder Hierarchien innerhalb des Verbunds.

Eine Bewegung mit Geschichte

Die erste Critical Mass-Fahrt fand 1992 in San Francisco statt und legte den Grundstein für die Bewegung. Seit diesem Zeitpunkt treffen sich Fahrradfahrer in verschiedenen Städten mehr oder weniger regelmäßig für gemeinsame Gruppenfahrten. Je nach Stadt und Land unterscheiden sich der Umgang mit anderen Verkehrsteilnehmern und der Polizei. Es gibt jedoch gemeinsame Merkmale: Eine „Critical Mass“ hat keinen Verantwortlichen, höchstens einen Urheber, der Zeitpunkt und Ausgangsort festgelegt hat und diesen via Mundpropaganda oder das Internet bekannt gibt. Die  bisher größte Critical Mass-Ausfahrt fand übrigens 2013 in Budapest statt. 100.000 Fahrradfahrer legten die Innenstadt für Stunden lahm.

Besondere Gesetzeslage in Deutschland

Paragraph 27 der StVO regelt, wie sich Verbände aus mehreren Personen oder Fahrzeugen im Straßenverkehr zu verhalten haben. Für einen geschlossenen Verbund aus mehr als 15 Radlern gilt somit: „Mehr als 15 Rad Fahrende dürfen einen geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen sie zu zweit nebeneinander auf der Fahrbahn fahren.“ Radfahrer dürfen nicht nur die komplette Fahrbahn nutzen, der gesamte Konvoi wird wie ein einzelnes Fahrzeug behandelt. Fährt also der erste über eine grüne Ampel, darf der gesamte Tross die Kreuzung überqueren, auch wenn die Ampel mittlerweile auf Rot gesprungen ist. So kann ein Tross aus Radlern eine Kreuzung leicht für mehrere Minuten lahm legen. Klar, dass dies immer wieder den Unmut von Autofahrern auf sich zieht.

Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr!

Vielen Beteiligten ist es wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht, Autofahrer zu behindern oder zu verärgern. Allerdings fühlen sich viele Fahrradfahrer im Stadtverkehr übergangen. Beispiel: Verglichen mit Fahrradfahrern, beanspruchen Autofahrer in der Stadt das zwanzigfache an Fläche. Daher entscheiden sich viele für diese Form des friedlichen Protest.

Ihr denkt auch, dass sich die Stadt mehr an Bedürfnisse von Radlern anpassen sollte? Dann fahrt mit! Die nächste Critical Mass in Berlin findet am 31. Mai statt. Frei nach dem Motto: „Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr!“ Weitere Infos rund um Critical Mass Berlin gibt es unter folgendem Link: http://criticalmass-berlin.org/

Foto: Critical Mass Berlin